Das islamische Verbot der Zwangsehe – Und wie die Partnersuche bei Muslimen aussieht

Das islamische Verbot der Zwangsehe - Und wie die Partnersuche bei Muslimen aussieht
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Immer wieder hört man von tragischen Fällen von Zwangsheirat. Zahlreiche Zeitungsartikel, Reportagen, Spielfilme und Romane beschreiben eindrucksvoll den Leidensweg von Frauen, die ohne ihre Einwilligung verheiratet wurden. Und da diese Geschichten in den Zeitungen und TV-Reportagen meist von jungen Musliminen berichten, könnte der Eindruck entstehen, dass die Zwangsehe ihren Urspung in der islamischen Lehre hat –  genau wie das Gebet und das Fasten auch. Dieser Artikel behandelt genau dieses Thema: Gehört die Zwangsehe zum Islam?

Die Zwangsehe ist kein speziell muslimisches Phänomen

Zu allererst sollte bedacht werden, dass die Zwangsehe keineswegs ein Monopol der Muslime ist. So berichtet etwa Amnesty International unter Berufung auf die Frauenrechtorganisation Terre de Femme von der Praxis der Zwangsverheiratung aus christlichen Ländern wie Griechenland und Italien, aber auch aus dem hinduitischen Kulturkreis in Sri Lanka und Indien, aber wiederum auch aus bhuddistischen und sogar unreligiösen Ländern wie  China oder Vietnam [1]. Es ist weitgehend bekannt, dass bis ins frühe 20. Jahrhundert Zwangsehen sogar noch im christlich geprägten, westeuropäischen Deutschland üblich waren. Alles in allem ist also festzustellen, dass die Praxis der Zweingsheirat sich also weder auf eine Region noch auf eine Kultur oder gar eine Religion beschränken lässt. Viel mehr extistiert Sie auf allen Erdteilen und in fast allen Kulturen dieser Welt. Es ist also defintiv ein globales, kulturen übergreifendes Phänomen und absolut kein speziell islamisches.
Auch wenn die Zwangsehe kein auschließliches Phänomen unter Muslimen darstellt, bleibt dennoch die Frage, wie der Islam gegenüber der Zwangsehe steht. Lässt sich vielleicht eine Rechtfertigung für die Zwangsehe aus dem Islam ableiten oder empfiehlt der Islam sogar die Zwangsverheiratung?

Die Ehe im Islam

Das Gegenteil ist wahr. Es ist nicht nur so, dass der Islam die Zwangsverheiratung verbietet sondern dass die Zwangsehe im krassen Gegensatz zum koranischen Konzept der ehelichen Beziehung steht.

So heisst es im Koran über die Ehe:

„Und es gehört zu Seinen Zeichen, daß Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.”[2]

Als Zwangsehe bezeichnet man eine Ehe bei der ein Mann oder eine Frau ohne Ihre eigene Zustimmung zur Ehe mit einer Person gezwungen wird. Die Mittel des Zwangs reichen von emontionaler Erpressung, über Nötigung und Bedrohung bis hin zu körperlicher Gewalt. Diese Praxis widerspricht dem Islam diametral, ist Unterdrückung und Missbrauch und steht damit, wie bereits erwähnt, konträr dem Konzept der islamischen Ehe entegen. Und dies ist keine neuzeitliche Verklärung eines weichgespülten modernen Islams, sondern ein seit je her so verstandenes Prinzip im orthodoxen Islam. So stellte der im 14. Jahrundert christlicher Zeitrechung lebende Großgelehrte Ibn Taymiyyah in einem islamischen Rechtsgutachten (arabisch: Fatwa) zusammenfassend fest:

“Eine Frau zu einer Ehe zu zwingen, widerspricht komplett dem Sinn einer Heirat. Allah möchte Liebe und Mitgefühl zwischen dem Ehepaar. Wie können diese entstehen wenn sie [die Ehefrau] Ihn hasst und nicht mag? Welche Art von Liebe und Zuneigung sollen in so einem Fall schon entstehen? […] So hat eine Frau vielmehr ein Recht darauf, eine Ehe mit jemandem abzulehnen, den sie nicht will” [3]

Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf Ihm) selbst annulierte eine Zwangsehe und verbat sie

Es sind uns zwahlreiche Überlieferungen aus der Zeit des Propheten bekannt, die uns ganz klar zeigen wie der Prophet Mohammed (Allahs Segen und Friede auf Ihm), dessen Leben nach dem Koran die zweite Quelle des islamischen Rechts darstellt und für die Muslime ein Vorbild ist, mit Zwangsehen umgegangen ist.
So kam eines Tages eine geschiedene Frau Namens Khanza Bint Khidam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede auf Ihm) und beklagte sich bei Ihm darüber, dass Ihr Vater Sie ohne Ihre Einwilligung verheiratet hätte, worauf der Prophet (Allahs Friede und Segen auf Ihm ) die Ehe für ungültig erklärte.[4] In einem anderen Fall wurde auch eine Frau verheiratet ohne Ihre Zustimmung einzuholen und der Prophet (Allahs Segen und Friede auf Ihm) gab Ihr die Wahl der Ehe einzuwilligen oder Sie annulieren zu lassen.[5] Wiederum in einer anderen berühmten Überlieferung heisst es, dass Prophet  (Allahs Segen und Friede auf Ihm) sagte:

»Eine bereits einmal verheiratete Frau (geschieden oder verwitwet) darf nur verheiratet werden, wenn dies mit ihr besprochen wurde. Und eine Jungfrau darf nur verheiratet werden, wenn sie der Heirat zustimmt.«[6]

Die Überlieferungen zu diesem Thema sind zahlreich und eindeutig: Der Islam verbietet es absolut eine Frau gegen Ihren Willen zu verheiraten. Es ist eine notwendige Bedingung die Zustimmung der Frau zu haben und der Prophet Mohammed (Allahs Segen und Frieden auf Ihm) hat die Zwangsehe ausdrücklich und explizit verboten.
Aus diesem Grund ist Zwangsehe in den islamischen Ländern auch ein extrem seltenes Phänomen, welches nicht von den Gelehrten toleriert wird. Viel mehr existiert es meist nur in den ungebildeten Schichten, welche bei solchen Praktiken und Bräuchen eher auf ihre dörfliche Kultur fokussiert sind. Auch in der Diaspora wird die Zwangsehe meist von Muslimen praktiziert, die zwar nominell Muslime sind, aber die Religion nicht oder nur kaum praktizieren und eher türkisch nationalistisch, als religiös geprägt sind. Aber auch hier betrifft das eher die erste Einwanderer Generation und weniger bis fast gar nicht die zweite und dritte Generation der muslimischen Einwanderer.
Doch stellt sich dann noch die Frage: Wie lernt ein Muslim dann seinen Ehepartner kennen und entscheidet sich dann für oder gegen Ihn?

Der traditionelle Weg: Die arrangierte Ehe

Die arrangierte Ehe ist die kulturelle Norm im größten Teil des islamischen Welt. Heiratswillige Männer und Frauen lernen Ihren zukünftigen Ehepartner in aller Regel durch Familie und Freunde kennen. Da der islamischen Kultur das “Dating” im europäischen Sinne unbekannt und eigentlich gänzlich fremd ist, suchen die meisten muslime Ihr Eheglück dementsprechend in arrangierten Ehen. Die Erwartung ist, dass bei gegenseitiger Sympathie zwischen den Hereitswilligen die Liebe im Laufe der Ehe gedeiht und wächst. Bevor, jedoch, überhaupt nach einem potenziellen Ehepartner Ausschau gehalten wird, entscheidet die Familie als Einheit über den Charakter und die Eigenschaften, die der zukünftige Ehepartner mitbringen sollte, damit das Paar später zusammen ein erfüllendes Eheleben hat.
Der Zeitraum in dem sich das potenzielle Ehepaar kennenlernen dürfen, um zu entscheiden ob Sie die Ehe miteinander eingehen möchten, variiert von Kultur zu Kultur und Familie zu Familie. Nach dem ersten Kennenlernen mit den Familien wird dem potenziellen Paar die Möglichkeit gegeben sich zu treffen und sich näher kennenzulernen, wobei ein dritter Familienangehöriger mit einem gewissen Abstand das Treffen begleitet. Manche erlauben dem angehenden Ehepaar auch miteinander zu telefonieren oder einander zu mailen. Wieder andere Familien ermuntern zu Unternehmungen – natürlich in Begleitung Familienangehöriger. Menschen finden so zueinander über die Familie, Leute aus der Gemeinde, Freunde und Bekannte, dem Imam der lokalen Moschee, muslimische Partnervermittlungen oder auch Online Heiratsbörsen wie “Halalpartner.de” mit dem Ziel der Ehe. Da die Ehe an sich nicht von anderen arrangiert wird, sondern sowohl Mann als auch Frau letztendlich für sich selbst entscheiden mit wem sie die Ehe eingehen, wäre der bessere Ausdruck vielleicht “arrangiertes Kennenlernen”.
Da Paare in arrangierten Ehen durch Familie, Freunde und die lokale Gemeinde zueinanderfinden, sehen Sie Ihre Beziehung als Teil eines größeren Ganzen und sehen ihre Ehe nicht isoliert lediglich als Beziehung zwischen ihnen selbst und Ihrem Ehepartner. Viele Paare haben äußerst glückliche arrangierte Ehen. Selbst glückliche Ehen in denen Mann und Frau sich erst einen Tag vor der Eheschließung kennegelernt haben sind keine Seltenheit.
Auch das Vorurteil, dass man erst verschiedene Partner ausprobieren müsste, um dann irgendwann endlich “den” oder “die Richtige” zu finden und ihn dann irgendwann zu heiraten, ist nicht Wasserfest. Statistiken zeigen, dass arrangierte Ehen im Schnitt stabiler sind und länger (oft für immer) halten. Aber genau wie viele nicht-arrangierte Ehen funktioniert auch nicht jede arrangierte Ehe. Und das hat verschiedene Gründe. Doch dazu bedürfte es vielleich eines weiteren Artikels.

www.halalpartner.de – Die halal Heiratsbörse

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[1] http://www.amnesty-frauen.de/Main/Zwangsheirat
[2] Die ungefähre Bedeutung des Korans von Abdullah Frank Bubenheim, Sure 30:Vers 21
[3] Ibn Taymiyyah, Majmoo‘ al-Fataawa, 32/25
[4] Auszüge aus Sahih Al-Bucharyy, Islamische Bibliothek; Hadith Nr. 5138
[5] Hadithsammlung Sunan Ibn Majah, Hadith-Nr.1874
[6] Sahih Al-Bucharyy, Hadith Nr. 4843

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