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Über die Sexualität in der Ehe – für frisch verheiratete Muslime!

5 Jahre verheiratet – lebe trotzdem deine Fantasien

Ich bin in den 90ern Jahren aufgewachsen, also noch vor dem Internetzeitalter, mit einer östlichen, konservativen, ausländischen Erziehung mitten in der westlichen Welt. Deshalb kann man sich denken, dass ich recht ahnungslos aufgewachsen bin im Bezug auf Sexualität. Das einzige Wissen, was ich erhielt, war die Sexualkunde in der Grundschule, welche die Anatomie und biologischen Körperteile darstellte und dann, aber, sofort in die Geburtsmethoden übersprang. Außerdem ging es darum, tabulose Jugendliche mit einem beträchtlichen Hormonüberschuss davon zu überzeugen sich in Abstinenz zu üben. Aber sogar diesen verhältnismäßig harmlosen Kurs erlaubten mir meine Eltern nur argwöhnisch.

Meine Mutter sprach NIE mit mir über dieses Thema und ich traute mich nie sie zu fragen, wir hatten einfach nicht diese Art Beziehung. Ich machte ihr keine Vorwürfe, sie wuchs in einer anderen Gesellschaft auf. Als ich meine Monatsblutung bekam, sagte sie mir, was eine beschämende Sache dies sei und wie ich es vor meiner ganzen Familie verstecken müsste. Sie legte mir nah, dass ich während meiner Periode zum Suhur (Frühstück vor dem Fasten) aufstehen musste, um mit meiner Familie zu essen. Und ich aß während des Ramadans auch nicht zu Hause, wenn ich meine Periode hatte und nicht deswegen nicht fastete, denn  ich hatte Angst von ihnen erwischt zu werden. Ich war wirklich so schüchtern und schämte mich für diese natürliche Sache. Ich weigerte mich beim Arzt einen Abstrich machen zu lassen, weil ich mir nicht vorstellen konnte mich in so einer Position vor ALLEN hinzulegen.

Dann kamen die Jahre vor der Ehe, als meine Eltern wollten, dass ich den Jungen mag, ihn heirate und mit ihm zusammenziehe – alles innerhalb von einer Woche. Meine Gedanken dabei waren: ´Nur über meine Leiche werde ich in einem Raum mit einem Jungen eingeschlossen sein, den ich nicht wirklich kenne. Und so kam ich auf die ach so verrückte Idee, zuerst die Nikah zu vollziehen und dann erst nach ein paar Monaten mit ihm zusammenzuziehen. Wir akzeptierten beide. Immer noch ahnungslos über das ´Bienchen und Blümchen´-Thema versteinerte ich praktisch beim Gedanken an diese eine magische Nacht. Meine Erwartungen…? Da warenschlichtweg keine. Solange seine Gelüste gestillt sind, bin ich erfolgreich, richtig? Ist es nicht das was passieren soll?
Nach unserer Nikah, bereits in den Vorbereitungen für unsere Hochzeitsfeier in ein paar Monaten, sprachen mein Ehemann und ich über dieses Thema. Ich nahm mir vor mich zum Thema Beischlaf in islamischer Hinsicht zu bilden, aber naja, da war nicht wirklich viel. Ich war  vorsichtig – hatte Angst in verschiedene Quellen zu schauen, denn ich hatte totale Angst davor „unerlaubte Informationen“ zu finden. Eine Freundin von mir gab mir die Weisheit einfach  etwas Öl zu nutzen und alles würde gut werden. Wow, danke.
Also dies ist das was ich gelernt habe:

In einem Artikel las ich folgendem Hadith:

Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden auf Ihm) sagte: „der Beischlaf zählt als Sadaqa“ Da wurde er gefragt: „Oh Gesandter Allahs (s), einer von uns stillt seine Begierde (durch Beischlaf bei seiner Ehefrau) und dafür erhält er eine Belohnung?“ Er sagte: „Seht ihr nicht, dass er sündigt, wenn er sie auf verbotene Weise befriedigt? Und so wird er für die legale Befriedigung (seiner Begierde) belohnt.“ (Sahih Muslim)

Was ist die sonderbare Zutat, die den Beischlaf in Sadaqa umwandelt und eine Sache der Belohnung Allahs daraus macht? Ist es der Gedanke Allah zu dienen, indem man sich selbstlos um den Partner kümmert, die eigenen natürlichen Bedürfnisse und die des Partner auf eine erlaubte und schöne Art befriedigt? Mir war nunmehr klar, dass Sexualität so betrachtet viel mehr bedeutet als der reine körperliche Akt.

Die Schönheit der frischen Ehe

Es gibt keine Lasten, keine Barrieren oder Grenzen. Du springst barfuß ins kalte Wasser in Hinsicht auf Emotionen und Gefühle. Bring dies in euer Schlafzimmer mit ein. Ein Prinzip unserer Beziehung wurde, zumindest erhofften wir das, ab sofort über alles miteinander zu reden, sodass kein Raum für Missverständnisse bleibt. So fragte er bei jedem subtilen oder nicht subtilen Schritt: “Ist das ok? Fühlt sich das gut an?“

„Wow“, dachte ich, „Er liebt mich so sehr, sodass er sogar in einem Akt der Lust und Sehnsucht Sorgen um meine Gedanken und Gefühle macht.“

Und ich würde ihn im Gegenzug bei jeder Intimität fragen: “Ist dies richtig?“
Diese selbstlose Sorge von ihm unterstütze mich dabei seine Fantasien zu erfüllen. Bedeutet dies, dass wir uns gegenseitig nicht enttäuschten? Auf keinen Fall! Wir waren ab sofort nur offen gegenüber diesen Enttäuschungen.
Alhamdulillah, nach über 5 Jahren Achterbahn dieser Ehe und dieser Offenheit half sie uns inniges und tiefes Verständnis für unseren Ehepartner zu empfinden, ohne Sorgen vor untragbare Konsequenzen aufgrund dieser offenheit.
Ich erklärte ihm meine Erziehung und natürlich, da er genau so erzogen wurde, verstand er es. Ich sagte ihm ironischerweise, dass ich beim Beischlaf ignorierte dass er männlich war, da ich Angst hatte als unbeholfener Amateur zu wirken. Eigentlich sprach ich mit ihm als wäre es eine platonische Beziehung. Wie auch immer, war ich bereit zu lernen und das zu tun was ihn befriedigte, während ich ihm erlaubte mit mir genauso alles kennen zu lernen. Dieser Wille kam mit der Zeit und nach dem Beischlaf empfand ich ein gewisses Selbstbewusstsein. Wir übergingen die Stereotype. Wir beide hatten die Erwartung durch Intimität Befriedigung zu geben und ein Teil deines Ehepartners zu sein, indem man Befriedigung von ihm erhält.

Und speziell an die Männer: Wenn eure Frau aus einem konservativen Elternhaus kommt, dann nehmt das zur Kenntnis und akzeptiert das. Es ist nicht so, dass sie nicht will. Es ist vie mehr so, dass sie nie Einblicke hatte in diese Welt der Sexualität und Intimität. Es ist ihr schlichtweg fremd. Also ist es in deinem Interesse mit deiner Frau zu üben und daran zu arbeiten, dass ihr beide diese Welt kennenlernt – und zwar behutsam und verständnisvoll. Du wirst sehen, wenn du ihr zeigst wie wichtig es dir ist, dass sie zufrieden mit dir ist, wird auch sie dir aus Liebe deine Fantasien erfüllen.

Die Angst der frisch Verheirateten

Manche Frauen haben es schwer oder denen ist es gar fast unmöglich zum Höheüunkt zu kommen. Aber es gibt eine andere Art des Orgasmus. Sie brauchen eine gewisse intime Zuwendung, um  diesen Orgasmus zu erlangen. Manche Männer wissen das nicht und stimulieren ihre Frauen nicht an der richtigen Stelle und die Frauen sind zu beschämt oder schüchtern um das anzusprechen. Sie denken sie selbst wären das Problem.

Das bringt sexuelle Frustration für beide Seiten. Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt einen Orgasmus zu haben und Männer fühlen sich genauso unter Druck gesetzt der Partnerin einen Orgasmus zu bringen während des Beischlafs. Anstatt erotisch zu denken, beginnst du dir darüber Sorgen zu machen, was dein Partner über dich denken mag, wie unweiblich du bist oder wie schlimm es wäre zu versagen. Diese sexuelle Sorge ist der Grund der Aufregung der Frau, so wie es an Emotionen gebunden ist und eine Lage des Gemüts. Den Beischlaf zu genießen wird so nun unmöglich sein und es wird auch für beide Partner keine befriedigende, erfüllende Erfahrung mehr sein unter diesen Umständen . Problematisch wird es, wenn es ein zum Teufelskreis wird: Du bist nicht mehr in der Lage etwas zu tun, weil du Angst hast es wäre falsch und dies führt wiederum zu noch mehr Angst.

Wie jede andere Form der Angst, braucht es Arbeit,Geduld und Vertrauen die Angst beim Beischlaf zu überwinden. Die folgenden Tipps könnten hilfreich sein diese zu überwinden:

1. Sprich mit deinem Partner darüber

Mit dem Partner zu reden kann Probleme lösen. Verständnis von deinem Partner wird deine Sorgen verschwinden lassen und dich wohlfühlen lassen. Zusammen Lösungen finden wird euch als Partner näher bringen und eure Intimität wachsen lassen. Gibt euch Komplimente und zeigt Dankbarkeit nachdem Beischlaf. Sag deinem Partner du hattest eine gute Erfahrung mit ihm und nimmst seine stetige Verbesserung im Akt wahr. Das ist wichtig um euer Selbstbewusstsein zu steigern und beim nächsten Mal inspirerter und freier zu wirken.

2. Vermehre die Intimität in anderen Bereichen

Intim sein ist nicht nur eine Sache des Beischlafs. Nicht-sexuelle Aktivitäten gemeinsam zu betreiben kann euch genauso näher zusammenbringen und eure Intimität steigern. Gefühlvoller gegenüber zu sein wird euch definitiv viel wohler fühlen lassen im Bett. Um ein gutes gemeinsames Sexualleben zu führen, musst du dich vertrauensvoll entführen lassen und deine Furcht fallen lassen. Und nicht mehr so verkrampft an die Sache gehen. Dies wird schwierig, wenn du dich nicht sicher fühlst oder dich nicht komplett mit ganzem Herzen hingibst.

3. Übung macht den Meister

Durch mehr Übung, Fehler, Schwierigkeiten und Geduld wirst du langsam lernen es richtig zu machen und in Harmonie mit deinem Partner zu sein.

4. Sport

Es wird dich in deinem Körper wohl fühlen lassen und deine Ausdauer im Bett steigern.

5. Liebe dich selbst mehr

  • Hör auf dich durch deine vorhandenen oder nicht vorhandenen Orgasmen zu identifizieren
  • Hör auf darüber nachzudenken was andere über dich denken könnten
  • Fokussiere dich darauf, was du kontrollieren kannst: deine erotischen Gedanken, Fantasien, Sensationen und Gefühle
  • Es ist OK auch mal keinen Orgasmus zu haben. Genieße jede Art von Befriedigung, die du erlebst.
  • Hör auf deine sexuelle Erfahrung zu bewerten. Nimm es locker, aber sei gleichzeitig mutig genug nach Hilfe zu fragen, wenn es ein Problem gibt.
    6. Besuche einen Arzt, Therapeuten oder Berater
    Dies ist, um dich abzusichern, dass deine Angst nicht wegen deiner Gesundheit oder Medikamentes ist. Eine professionelle Sextherapeutin kann helfen deine Probleme zu verstehen, herauszufinden und eine Lösung zu finden.

Möge Allah Deine Ehe schön machen und die Liebe und die Beziehung zwischen dir und deinem Ehepartner auf allen Ebenen stärken.

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