Ich möchte einen tugendhaften Ehepartner, aber…

Die Ehe-thematisierenden Status-Meldungen, Bilder, Kommentare und Artikel bekommen in unserer Zeit die maximale Aufmerksamkeit und Likes in den Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und der gleichen. Höchstwarscheinlich liegt es daran, dass fast alle jungen und auch alten Menschen ihre Emotionen, Beobachtungen sowie ihre schönen, schmerzhaften, hoffnungsvollen und/oder frustrierenden Erfahrungen bei diesem Thema haben. Dieses Thema scheint wirklich unter die Haut zu gehen und unser Interesse anzuziehen – Frauen und Männer gleichermaßen. Und nicht selten kann man beobachten wie Menschen ihre ganz eigenen, persönlichen Geschichten über Glück, Liebe und manchmal auch bittere Enttäuschung öffentlich teilen und manchmal geht das sogar soweit, dass selbst die Namen der Beteiligten öffentlich in den sozialen Medien verbreitet werden und damit in die ganze Welt.

Zweifellos ist die Ehe eine große und entscheidende Angelegenheit im Leben eines Muslims, welches von beiden Seiten betrachtet werden kann: Vom Standpunkt der Ernsthaftigkeit und vom Standpunkt des lockeren Spaßes. Wie man mit dem Thema umgeht hängt maßgeblich vom Alter, der Reife und Lebenseinstellung der Person ab.

„Ich möchte einen rechtschaffenen Ehepartner, aber…”, ist eine Einstellung, welche viele praktizierende Muslime einmal im Leben durchmachen. Dieses Dilemma, welches mit dieser Phrase oftmals eingeleitet wird, ist ein entsprechend häufig besprochenes Thema bei religiösen und sozialen Versammlungen in der muslimischen Gemeinde. Auf der einen Seite ist nahezu allen muslimischen Männern die bekannte Überlieferung des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bekannt:

„Eine Frau wird aus vier (Gründen) geheiratet: Wegen ihres Wohlstandes, wegen ihrer Abstammung, wegen ihrer Schönheit oder wegen ihres Glaubens. Versuche eine wegen ihres Glaubens zu bekommen, so wirst du gesegnet sein.” (Hadithsammlung Muslim, Bukhari)

Und doch sind es nur wenige, die gewillt sind, sich hiernach zu richten.

Manche unserer religiösen Brüder warten darauf, dass sie zufällig auf eine Art leuchtende Märchenprinzessin in Abaya treffen. Dies liegt wohl daran, dass wie religiös Männer auch aussehen mögen, es nur wenige Männer gibt, die bei Alter und Aussehen bereit sind tatsächlich Abstriche zu machen. Auf der anderen Seite sind sie, jedoch, oftmals bereit Abstriche bei Religiösität, Wohlstand und Charakter zu machen.

Dieser Trend zeigt uns ganz deutlich einen anderen Teil unseres Inneren. Wir alle hören, lesen und sprechen immer wieder über den oben erwähnten Hadith, aber wie ernst ist es uns damit? Oftmals werden potenzielle Ehepartner abgelehnt mit dem Verweis auf fehlende charakterliche Kompabilität, aber der wahre Grund der Ablehnung ist etwas anderes.

Aber auch die Mentalität unter den Frauen in unserer Gesellschaft ist nicht anders. Auch sie tun das Gleiche, wenn es um die Wahl eines Ehepartners geht. Obwohl sie vielleicht eine religiöse Bildung genossen haben, sich islamisch kleiden und genau wie ihre Eltern sagen, dass sie einen rechtschaffenen Ehepartner möchten, sind es nur wenige, die wirklich dementsprechend handeln. Denn sobald ein Anwärter kommt, der z.B. von einer nicht prestige-reichen Familie kommt, dafür aber eine gute Religiösität und einen vorzüglichen Charakter besitzt, folgt auf den geäußerten Wunsch nach einem rechtschaffenen Ehepartner eine lange Liste mit “abers”. Und das obwohl auch den Frauen der folgende Hadith durchaus bekannt ist:

„Wenn einer zu euch kommt und heiraten möchte, wobei ihr mit seinem Dîn und Charakter zufrieden seid, dann verheiratet (eure Tochter mit) ihm; andernfalls wird sich Zwietracht und eine große Zerstörung auf der Erde verbreiten.“ (Hadithsammlung Tirmidhî)

Doch nur wenige Schwestern sind bereit danach zu handeln.

Frauen bevorzugen Männer aus Industrienationen, mit mehreren Universitätsabschlüssen, einem Ferrari und einem dick gepolsterten Bankkonto. Ist das an und für sich etwas schlechtes? Nein. Aber wenn diese Dinge bei Dir Priorität haben und es bei Dir zur Ablehnung von diversen guten Anträgen führt, dann hast Du ein Problem. Denn oft hat sich gezeigt, dass Frauen nach Jahren des vergeblichen Wartens auf den Märchenprinzen mit Reue zurückschauen auf die guten, frommen Anwärter, die sie in ihrer damaligen Ignoranz ablehnten.

Bedenkt die Geschichte eines der edelsten Propheten. Musa (Allahs Friede auf Ihm) hätte nie die Tochter des Mannes heiraten können, der ihm schließlich auch Arbeit bot, wenn der Vater der Frau den Besitz von Musa (Allahs Friede auf Ihm) zum Maßstab genommen hätte. Denn Musa (Allahs Friede auf Ihm) konnte weder mit großen Besitztümern trumpfen noch war zu dem Zeitpunkt zum Prophetentum aufgerufen worden. Er war nur ein ehrlicher und anständiger Mann und hatte nichts außer seinem Charakter vorzuweisen. Doch der Mensch mit Weisheit erkennt, dass genau das der wahre Besitz eines Mesnchen ist, und das einzige entscheidende Kriterium für die Wahl eines Schwiegersohns bzw. eines Ehepartners.

Die Ursachen dafür, dass erst sehr spät geheiratet wird oder dass Ehen letztlich nach der Trauung große Schwierigkeiten haben, liegen oft in uns selbst – nämlich in unseren unrealistischen Phantasie-Welt-Vortsellungen und viel zu hohen Ansprüchen. Die Wahrheit ist, dass wir befanden sind in einem materialistischen und oberflächlichen Denken. Und es scheint, dass dieses Denken uns nicht verlässt, trotz der Hadithe und den imponierenden Geschichten der Sahaba und ihren Ehen.

Frage Dich selbst, wie Du handeln würdest, wenn Du heute einen Antrag bekämest, der religiös betrachtet vielversprechend ist, aber mit den weltlichen Angelegenheit etwas zu ringen hat. Würdest Du den Antrag annehmen oder Dich abwenden? Am Ende des Tages bleibt die Frage der Priorität. Was ist Dir wirklich wichtig im Leben und entsprechend solltest Du Deinen Ehepartner wählen! Sei weise.

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