4 Ehe-Fallen für muslimische Konvertitinnen und wie man diese umgeht

Wenn man sich mit Menschen unterhält, die aus einer anderen Glaubensrichtung ohne Ehepartner zum Islam übergetreten sind und die danach auf der Suche nach einem Ehepartner sind, kann man viel aus ihren Erfahrungen lernen. Denn für den Konvertiten, insbesondere für die konvertierte Muslima, ist es mit einigen Schwierigkeiten und Herausforderungen verbunden einen geeigneten Ehepartner zu finden und letztlich auch zu heiraten. Der folgende Artikel ist keineswegs eine Aufzählung all dieser Schwierigkeiten sondern viel mehr die vier häufigsten Gefahren, in die man bei der Ehepartnerwahl als Konvertiten fallen könnte.

1. Falle: Der inkompetente Wali (Heiratsvormund)

Eine Bedingung für die Gültigkeit der Ehe ist nach islamischen Recht, dass die Ehefrau durch einen Wali (Heiratsvormund) vertreten wird. Dieser Wali ist in der Regel der Vater der Braut oder ein anderes männliches Mitglied der Familie. Da die Familienangehörigen der Konvertitinnen oftmals nicht-Muslime sind, übernimmt ein Mitglied der Gemeinde, oft der Imam der Moschee, oder ein Ansässiger prediger mittleren Alters die Heiratsvormundschaft für die Braut. Meistens sind die Personen, die die Stellung als Wali übernehmen, weder in dem Land der Konvertitin geboren noch aufgewachsen, sondern sind wie der Großteil unserer Gemeindemitglieder mittleren Alters, als Immigrannten erst im fortgeschrittenem Alter nach Deutschland eingewandert. Viele Konvertitinnen haben das Gefühl, dass ihr Wali ihre Aufgabe nicht ernst nehmen würden und vielleicht sogar garnichts mit der Ehe und den möglichen Problemen zu tun haben möchten. Jedoch sind sie, von einer ernsten Rolle als Wali, wie es ein Vater für seine leibliche Tochter wäre,  oftmals Meilenweit entfernt.
Der Islam sieht für den Wali die Stellung des Beschützers und Vertreters der Interessen der Braut vor. Er soll auch verhindern, dass sie einen Mann heiratet, der nicht mit ihr kompatibel ist oder sie ausnutzt. Jedoch sollte man nun, die Schwierigkeit, diese Aufgaben verantwortungsvoll aufzunehmen, bedenken, wenn der Wali weder die Braut und ihre Eigenschaften kennt noch in der selben Kultur aufgewachsen ist wie die Braut. Wie man sieht, wird es hier selbst für den gut-gewillten und engagierten Wali einer Konvertitin ziemlich schwer.
Wie bereits erwähnt, ist normalerweise der Vater der Braut auch ihr Wali und natürlich liegt das auch nahe, denn ihm liegt am Meisten am Wohlergehen seiner Tochter, kennt ihre Persönlichkeit und ihre Bedürfnisse am Besten und dementsprechend wird er auch jeden Anwärter genauestens unter die Lupe nehmen, bevor er seine Tochter mit ihm verheiratet. Eine Konvertitin, da ihre männlichen Verwandten als Nicht-Muslime für die Position des Walis ausgeschlossen sind, wird warscheinlich einen vollkommen fremden Wali haben. Vielleicht einen Türken, einen Araber oder auch jemanden aus Süd-Asien, der vielleicht unzureichende Deutsch-Kenntnissse besitzt, die kulturellen Nuancen dieser Gesellschaft nicht versteht und außerdem auch nicht die Persönlichkeit und Bedürfnisse der Braut kennt. Erschwerend hinzu kann es kommen, wenn es dem Wali obendrein auch noch unangenehm ist, mit einer „nicht-Mahram“-Frau, also einer Frau, die er theoretisch von rechtswegen ehelichen könnte, kontakt zu haben. Nicht selten berichten Konvertitinnen, dass sie das Gefühl hatten, dass sogar die sachliche Kommunikation dem Wali unangenehm war. Dies hängt mit dem teilweise sehr strengen Geschlechterverhältnis und den damit verbundenen Normen der Ursprungsländer dieser Walis zusammen. Es stellt sich also ganz klar die Frage, wie ein Wali die Interessen einer Braut vertreten soll, wenn die Braut nich einmal eine offene und ehrliche Diskussion oder eine Unterhaltung mit ihm haben kann, in welcher sie ihn über ihre Vorstellungen, Bedürfnisse und Erwartungen sprechen kann. Wie soll dieser Wali einen guten, kompatiblen Ehepartner für diese Frau auswählen? Diese Art von Beziehung zwischen Wali und Konvertitinnen  führte schon oft zu Ehen, die zu leichtfertig geschlossen wurden und dann vor Problemen stehen, die man hätte leicht vermeiden können, wenn der Wali weise gehandelt hätte. Manchmal ist es heute so, dass der Wali nicht einmal ein einziges Gespräch mit der Braut und dem Bräutigam führt und nur als Formaler erfüller der Nikah-Bedingungen dient. Und tatsächlich gibt es ein paar kompetente und verständige Imame, die als Wali theoretisch einen guten Job machen könnten, jedoch sind diese oftmals derart überbelastet mit anderen Aufgaben und Verantwortungen, sodass sie sich der Aufgabe des Walis einfach nicht ausreichend zuwenden können.

Lösung:

Obwohl dies vielleicht noch mit den örtlichen Gelehrten besprochen werden müsste, wäre es unter Umständen vorteilhaft, wenn eine Konvertitin sich ihren Wali aussuchen könnte, sofern mehrere in Frage kommen. Denn dann könnte sie sich denjenigen aussuchen, welcher bestenfalls im selben Land und der gleichen  Kultur wie sie aufgewachsen ist, ausreichend Zeit investieren kann und offen ist für die notwendige Kommunikation mit der Konvertitin, damit er sich Verantwortungsvoll um seine Aufgabe als Wali widmen kann. Eine sehr gute Lösung wäre es z.B. auch, wenn dieser Wali eine Ehefrau hätte, mit der die Konvertitin offen über alles sprechen könnte und die Ehefrau des Walis würde somit zusätzlich als Vermittlerin zwischen Wali und Konvertitin dienen.

Dennoch ist es sehr wichtig, dass der Wali ein respektiertes Mitglied der Gemeinde ist, mit guter Reputation und gutem Charakter.  Obwohl die klassischen islamischen Rechtswerke (arab. Fiqh) beschreiben, dass die Aufgabe des Walis an den Richter (arab. Qadi) oder Imam geht in einem islamischen Staat, wenn kein männliches Familienmitglied vorhanden ist für diese Aufgabe, scheint die Zielsetzung der Scharia darauf abzuzielen, dass die Interessen der Frau möglichst gut vertreten werden und dies kann nur realisiert werden, indem dies durch die fähigste Person geschieht. Ohnehin leben wir nicht in einem solchen islamischen Staat und die ansässigen Gelehrten müssen passende Lösungen für unsere Lebenswirklichkeit finden. Wenn eine Konvertitin der Meinung ist, dass ihre Interessen doch nicht optimal durch ihren Wali vertreten werden, aus welchen Gründen auch immer, sollte es möglich sein, diesen, durch einen anderen zu ersetzen, ohne, dass dies ihrem Ruf schadet. Gemeinden täten gut daran, wenn sie gleich eine Liste mit freiwilligen, fähigen Männern bieten könnten, die diese Aufgabe übernehmen würden, insbesondere dann, wenn der Imam der Moschee nicht die kulturellen oder sprachlichen Kompetenzen besitzt oder auch unter Zeitmangel leidet , um diese Aufgabe gewissenhaft übernehmen zu können.

2. Falle: Du bist noch nicht lange genug Muslima

Lasst uns das Kind beim Namen nennen: Die meisten Konvertiten haben bereits etwas sexuelle Erfahrung gesammelt vor ihrer Konversion und einige verlassen vielleicht sogar beim Eintritt in den Islam eine Beziehung zu einem anderen Menschen. Aus diesem Grund fühlen viele der Konvertiten ein großes Bedürfniss ihre körperlichen Bedürfnisse in einer Ehe zu befriedigen. Neben ihrem eigenen Drang, werden diese oft zusätzlich von der muslimischen Gemeinde regelrecht bedrängt möglichst ohne Verzug zu heiraten, damit sich diese im Islam festigt und geschützt ist vor unehelichem Geschlechtsverkehr (arab. Zina). Denn es hherrscht der Gedanke bei vielen Muslimen, dass nur ein guter Ehemann nötig sei, um diese neue Muslima zu festigen. Zwar ist dies ein nobler Gedanke, jedoch kann es manchmal nach hinten losgehen.
Interkulturelle Ehen und ihre Besonderheiten folgen als nächstes. Zunächst ist es allerdings wichtig, dass eine neue Muslima sich selbst findet, die Religion lernt und sich festigt, bevor sie einen Partner fürs Leben aussucht. Auch wenn wir das gerne leugnen, gibt es da draußen verschiedene Verständnisse des Islams und verschiedene Individuen verstehen den Islam manchmal ganz anders und bevor man heiratet, sollte man sich zunächst klar machen, wie man selbst die Religion versteht. So mag der eine Konvertit eher einer sufistischen Gruppe zugeneigt sein und ein anderer wiederum eher mit der Salafi-Bewegung sympathisieren. Verschiedene Menschen können verschiedene Verständnisse haben. Natürlich können wir jetzt über die pros und kontras all dieser Gruppen diskutieren, jedoch muss am Ende des Tages jeder von uns, insbesondere Konvertiten, die ja von Haus aus keiner speziellen Gruppe oder islamischen Denkrichtung anhängen, sich bilden und lesen und dem folgen, was er/sie für wahr erkannt haben möchte.
Manchmal lernt ein Konvertit ein spezielles Verständnis des Islams kennen und glaubt das sei „der Islam“, nur, um dann nach einiger Zeit in einer anderen Stadt auf eine andere Interpretation des Islams zu stoßen und zu erkennen, dass wir die Muslime doch nicht so homogen sind wie vorher angenommen und es eine große Vielfalt an Verständnissen und Interpretationen gibt. Die Frage nach der Korrektheit dieser soll hier nicht besprochen werden, sondern nur auf eine Realität hingewiesen werden. Und es ist durchaus möglich, dass ein Kovertit sich anfangs mit einem Verständnis des Islams beschäftigt und nach einer Weile einen anderen Prediger oder Gelehrten entdeckt und sich für sein Verständnis, welches sich teilweise stark vom ersten Verständnis unterscheiden kann, ändert.  Dies soll nicht bedeuten, dass ein Konvertit alle möglichen Sekten und Gruppen ausprobieren soll, sondern  dies soll lediglich darauf aufmerksam machen, dass viele Konvertiten im Laufe der Zeit realisieren, dass sie vielleicht durch eine bestimmte Moschee den Islam auf eine bestimmte Weise kennengelernt haben und später durch weiteres Studium erkennen, dass vieles was sie für islamisch hielten eher aus dem kulturellen Hintergrund ihrer Moschee entsprang oder gar dem Islam widerspricht. Dein Verständnis des Islams, gerade am Anfang, entwickelt sich noch und du solltest Dir diese Zeit nehmen, bevor Du Deinen Ehepartner wählst.
Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist, dass viele Konvertiten sich noch mitten in schmerzvollen Auseinandersetzungen mit ihren Familien befinden, die oftmals große Probleme mit dem Übertritt ihres Kindes zum Islam haben. Die neuen Muslime fühlen sich oft einsam, verlassen und verstoßen. Oberflächlich betrachtet könnte man annehmen, dass es das Beste wäre schnell in eine muslimische Familie einzuheiraten, um so einen quasi Ersatz für die eigene Familie , von der man verstoßen wurde, zu haben. Doch birgt dies auch eine große Gefahr: Zum Einen stehen junge Ehen oft am Anfang vor großen Schwierigkeiten und um diese zu bewältigen sollte man sich nicht unbedingt in einer emotional geschwächten Situation befinden, in der sich oft diese neuen Muslime aufgrund der Konflikte mit ihrer leiblichen Familie, befinden. Außerdem könnte es sein, dass sich diese neuen Muslime in der Hoffnung auf Trost übereilt in eine Ehe stürzen, nur um später festzustellen, dass der Ehepartner garnicht zu ihnen passt und sie zu voreilig entschieden haben. Diese Gefahr darf nicht unterschätzt werden.
Letztlich konvertieren viele Frauen aufgrund ihrer Partnerschaft zu einem muslimischen Mann, welcher zumindest nach deutschem Maßstab sehr religiös wirkt, jedoch merken viele Konvertitinnen, wenn sie sich näher mit dem Islam beschäftigen und selber religiöser werden, dass ihr vermeintlich religiöser Partner ein sehr unislamisches Leben führt und kaum die Religion praktiziert. Oft verlassen diese dann den Partner, um einen den Islam richtig praktizierenden Partner zu finden.

Lösung:

Konzentriere Dich zunächst auf Dich selbst. Versuche Deine familiären Probleme einigermaßen in den Griff zu kriegen und versuche ein paar gute Freunde zu finden, die für Dich da sind. Anstatt nur zu lesen oder Dir Vorträge im Internet anzuhören,  solltest Du rausgehen und Dich mit Schwestern real treffen und mit ihnen Unterrichte oder islamische Seminare besuchen. Verschiedene religiöse Lehrer und Freunde kennenzulernen öffnet den Konvertiten oft die Augen und zeigt denen oft wie vielfältig die islamische Community ist. Finde eine Schulter zum ausheulen und anlehnen, eine Gruppe von Schwestern, die für Dich da sind und für die Du da bist. Es kann sehr schwer sein mit den unbefriedigten sexuellen Bedürfnissen umzugehen, aber versuche mit der euphorischen Iman-Phase, die man als neuer Muslim hat und mit ein paar dich ablenkenden Freundinnen, diese Zeit zu überbrücken, bis Du gefestigt bist. Besuche regelmäßig ein paar islamsiche Unterrichte in der Moschee. Wenn Du mal jemanden findest, der Dich interessiert, dann behalte ihn vorerst im Hinterkopf und kümmere dich um Dich selbst.

3. Falle: Das Unterschätzen der Herausforderungen einer interkulturellen Ehe

Du praktizierst nun also den islam und hast auch ein gewisses Basiswissen darüber und nun bist Du bereit für die Ehe. Und du interessierst Dich auch für einen gewissen Mann – wahrscheinlich einer dieser großen, hübschen Brüder mit dunklem Teint. Viele Schwestern stürzen sich in eine Interkulturelle Ehe ohne auch nur eine Idee darüber zu haben, was ihr zukünftiger Ehemann von seiner Ehefrau erwartet. Diese Schwestern nehmen unterbewusst einfach an, dass Ihr Ehemann eine Reflektion des edlen Charakters und Verhaltens unseres geliebten Propheten (saw) haben wird. Das Ergebnis davon ist, dass nicht selten Schwestern von Islam abfallen, nachdem sie schreckliche Erfahrungen in einer unglücklichen Ehe gemacht haben mit Respektlosigkeit, extreme Kontrolle und sogar Misshandlung. Denn genau die Person von der sie erwarteten, dass diese ihnen Sicherheit und ein warmes Hein bietet, sie von ihrem unislamischen Elternhaus in ein muslimisches Heim führt, verwandelt nicht selten ihr Leben in eine Hölle auf Erden aufgrund seiner eigenen kulturellen Engstirnigkeit.
Manchmal sind zwei Eheleute auch derart inkompatibel, dass ihre Ehe ein ewiger Wechsel von Konflikten und Vorwürfen ist; Dabei ist keiner der beiden Schuld an der Misere, denn sie sind einfach zu verschieden, um miteinander harmonisch zu leben. Sogar zu Zeiten unseres geliebten Propheten (saw) gab es kulturelle Unterschiede zwischen den Leuten aus Madina and Mekka, welche zu ehelischen Auseinandersetzungen führten. Das waren Unterschiede zwischen lediglich zwei verschiedene Städten innerhalb Arabiens.  Stell Dir nun zwei Menschen vor, die von ganz verschiedenen Kontinenten kommen, deren Lifestyle und Kutlur sich sehr viel weiter unterscheiden können.
Eine interkulturelle Ehe steht in jedem Fall vor gewissen Herausforderungen, sogar wenn die Ehepartner sich gegenseitig respektieren, lieben und viel gemein haben. Zum Einen sind da natürlich die Familienangehörigen mit denen man auskommen muss. Auf der anderen Seite gibt es auch das Phänomen, dass von den Konvertinnenen und manchmal auch von ihren Ehemännern und deren Familienangehörigen erwartet wird, dass sie ihre gesamte böse, westliche Kultur und Identität aufgeben und komplett die Kultur des Ehemannes adaptiert. Die Wahrheit ist, dass jede nationale Kultur ihre guten und schlechten Seiten haben und egal wie religiös eine Person auch sein mag, kann sich diese nicht gänzlich dem Einfluss des Ortes und der Kultur, in der er sozialisiert wurde, entziehen. Diese beeinflusst dann auch maßgeblich seine Vorstellung von Ehe und Beziehung. Nur weil ein Land mehrheitlich muslimisch bevölkert ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass alle Aspekte der Kultur islamisch sind und andersherum ebenfalls. Nur weil ein Land mehrheitlich nicht-muslmisch bevölkert ist, bedeutet dies nicht, dass alle Aspekte der Kultur unislamisch und schlecht sind. Sogar der Prophet (saw) lobte gewisse Aspekte der römischen und vorislamischen Kultur der Araber.
In einer schlechten interkulturellen Ehe finden sich Konvertiten nicht selten in der Situation wieder, dass sie gezwungen werden ihre eigene Identität gänzlich aufzugeben und eine fremde anzunehmen. Manchmal versucht der Ehemann seine Frau von ihrer Familie zu entfremden. Einige Männer geben sich wenig Mühe Kontakt mit der Familie der Frau zu pflegen, sprechen schlecht über ihre Familie und rechtfertigen dies damit für sich, dass dies ja Ungläubige seien. Er könnte versuchen sie in eine gute arabische/türkische/kurdische/afrikanische/afghanische Frau umzuwandeln und missachtet dabei, dass seine Forderungen und Erwartungen mehr kulturell als islamisch sind. Viele Frauen werden depressiv, wenn sie dieses fremde Leben führen in ständiger Opferung ihrer Persönlichkeit und Identität.
Zusätzlich ist es wichtig zu erwähnen, dass viele Konvertitinnen unter dem Stigma der „Unreinheit“ leiden, welches sie glauben zu haben, durch ihre vorehelichen Beziehungen vor ihrer Konversion zum islam. Viele Schwestern fühlen sich deswegen schlecht und unzulänglich als Muslima aufgrund ihrer Vergangenheit. Dies ist natürlich ein komplett unislamsiches Konzept und falsch, aber nichtsdestotrotz existiert dieses Denken. Eine konvertierte Frau könnte, wenn sie für ihr exotisches, westliches Aussehen geheiratet wurde und der Mann sich an sie gewöhnt hat und der Reiz ihrer Schönheit aus seiner Sicht abnimmt, vor dem Problem stehen, dass dieser Mann, genau dieses Sentiment nutzt, um seine Frau Vorhaltungen zu machen und ihre Unsicherheit ausnutzen, um irgendwelche Forderungen durchzusetzen.

Lösung:

Denke gut darüber nach, ob Du jemanden heiraten willst, der nicht im selben Land und der selben Kultur aufgewachsen ist wie du. Die Herkunft der Eltern und die Nationalität spielt nicht so eine große Rolle. Viel mehr geht es darum in welchem Land jemand sozialisiert wurde. Sei Dir darüber im Klaren, wie deutsch/europäisch du bist. Du wirst warscheinlich merken, dass Du doch deutscher bist als du angenommen hast, bevor Du in Berührung kamst mit der islamischen Gemeinde und ihren vielen verschiedenen ethnischen Gruppen und Kulturen. Und das ist vollkommen in Ordnung.  Verstehe, dass alle Muslime – ob konvertiert oder in eine muslmische Kultur geboren – zu einem gewissen Anteil auch Menschen ihrer nationalen Kultur sind. Der Beste unter ihnen ist derjenige, der die halal-Aspekte übernommen hat und die unislamischen Askpekte der Kultur abgelegt hat. Du wirst aber nie einen „nur-Muslim“ treffen, denn so etwas gibt es nicht.
Da in vielen Kulturen so viel Wert auf die Jungfräulichkeit gelegt wird,  sollte eine konvertierte Frau niemals einen Mann heiraten, der ihr das Gefühl gibt, er opfere für sie seinen Anspruch auf Jungfräulichkeit und sie sei ihm deswegen etwas schuldig oder zumindest zum Dank verpflichtet, als sei es ein Gefallen, den er ihr damit tut. Ebenfalls sollten alle Alarmglocken angehen, wenn der Anwärter ein wenig zu viel von ihrem „schönen deutschem/europäischen Aussehen“ faselt. Weiterhin ist ein es ein Warnzeichen, wenn ein Mann zu sensibel ist, wenn es um die Vergangenheit einer konvertierten Schwester geht. Hiermit soll nicht gesagt werden, dass man über die gesammelten Erfahrungen in anderen Beziehungen frei sprechen sollte, denn das würde jedem Mann verunsichern und ein schlechtes Gefühl vermittteln. Es geht viel mehr darum, dass wenn ein Mann insgesamt unnatürlich reagiert, wenn es mal zur Sprache kommt und er z.b. extrem grübelt oder zu sehr nachhakt, es den Anschein macht, dass er damit ein sehr großes Problem hat und dies sollte jede Schwester als mögliches Konfliktpotenzial  erkennen. Nichtsdestotrotz können inerkulturelle Ehen erfogreich und sehr bereichernd sein, aber es benötigt Arbeit. Als Frau in einer Ehe bist Du verletzbar, da die Authorität in einer Ehe auf der Seite des Mannes liegt. Du befindest dich in einer Position, wo ein schlechter Mann dies ausnutzen und Dich  mit Schuldgefühlen und durch den Missbrauch seiner Authorität in eine sehr unangenehme Lebenssituation bringen könnte.  Deswegen wende dich sofort von Anwärtern ab, die Zeichen von Abscheu gegenüber Deiner Herkunft und Kultur zeigen oder dir das Gefühl geben, dass sie dich verändern wollen. Heirate einen Mann, der dich verstehen will und der seine Authorität als Verantwortung sieht und nicht als Auszeichnung. Heirate keinen Mann, der wegen deiner Herkunft Minderwertigkeitskomplexe hat oder der den Anschein macht zu sehr dein europäisches/deutsches Aussehen zu mögen und sich damit brüstet. Heirate keinen Mann, der deine Familie nicht respektiert und versucht dich von ihnen wegzuziehen, denn dieses Problem wird sich verzehnfachen, wenn ihr erstmal Kinder habt. tatsächlich solltest Du jemanden heiraten, der dir dabei hilft deine familiären Konflikte zu lösen oder dir zumindest dabei hilft den Kontakt nicht ganz zu verlieren. Letztlich solltest du auf der Hut sein vor Muttersöhnchen, denn es besteht die Chance, dass die Mutter noch viel tiefer in ihren kulturellen Vorstellungen feststeckt und dann Dich über ihren Sohn in kulturelle, einengende Ketten legt.

4. Falle: Er ist ein echter Ehebetrüger/Playboy der möchte, dass Du seine geheime Zweitfrau bist

Ein weiteres gewichtiges Argument sich einen guten Wali zu suchen, ist, dass dieser gleich die Ehebetrüger, Playboys und Aufenthaltsgenehmigungen-Jäger abweisen kann, welche nicht wirklich an einer ernsthaften Ehe interessiert sind sondern sich nur ein paar Vorteile verschaffen möchten.  Die zwei Hauptgründe, wieso viele Männer eine Konvertitin Heiraten mit dem Hintergedanken diese wieder zu verlassen, sind die folgenden zwei: 1. Sie heiraten eine Konvertitin mit entsprechender Staatsangehörigkeit, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. 2. Sie suchen eine gutgläubige Konvertitin mit der sie sich wärend ihres vorübergehenden Aufenthalts, z.B. für ein Studium, Schule oder Arbeit, ihre Zeit versüssen können. Dieser wird sie kurzer Hand verlassen, sobald sein Aufenthalt hier vorrüber ist und er in seine Heimat zurückkehrt, um ein „anständiges Mädchen“ von dort zu heiraten oder sobald er eine Aufenthaltsgenehmigung erhält und er dann eine Frau aus seiner Heimat importieren kann.  Solche Männer werden die tollsten Versprechungen machen wie z.B. dass er Dich unbedingt seinen Eltern in der Heimat vorstellen möchte und manch einer würde vielleicht sogar Kinder mit Dir zeugen, um Dir die Ernsthaftigkeit der Ehe vorzutäuschen, nur um dich dann dennoch einfach in einer Nacht und Nebel Aktion zu verlassen sobald er sein Ziel erreicht hat oder seine Familie in der Heimat entsprechenden Druck ausübt „das europäische Flittchen und ihr Kind“ endlich zu verlassen, um ein von Mama ausgesuchtes Mädchen aus der Nachbarschaft zu heiraten. Solche Männer vergessen dann ganz schnell Frau und Kind ohne auch nur eine Sekunde lang zurückzublicken.
Dann gibt es noch den Typen, der bereits verheiratet ist, aber dich als Zweitfrau nehmen möchte. Dies ist per se zwar nichts verwerfliches, jedoch möchte dieser Dich als geheime Zweitfrau nehmen, ohne, dass seine Erstfrau auch nur etwas von seinen Absichten ahnen dürfte.  Er ist sofort bereit die Nikah mit Dir zu vollziehen und eine Beziehung mit Dir zu führen, ist aber nicht bereit sich aufzuraffen und sich mit den Auswirkungen auf seine derzeitige Familie, die diese Zweitehe unausweichlich mit sich bringen wird, auseinanderzusetzen.  Wenn Du ihn danach befragst, wird er Dir ständig versprechen, dass er es seiner Frau „zum richtigen Zeitpunkt“ , d.h. später, sagen wird. Er lässt Dich in Deiner Stadt oder Deinem Land, geht selber zurück in die Stadt seiner Erstfamilie und verspricht Dich sobald wie möglich zu sich zu holen – später.  Er wird seinen Geschwistern und Eltern von Dir erzählen – später.  Er kommt, um Dich und das zu erwartende Baby zu sehen – später.  Er war sehr schnell, wenn es darum ging Dich zu heiraten, aber nun macht er sich rar und läuft ständig weg und weicht aus.  Wenn er dann doch letztlich die Bombe platzen lässt und allen von Dir erzählt wird Deine ursprünglich romantische, suesse, geheime Ehe plötzlich ziemlich bitter, ausgelöst durch den öffentlichen Druck und die negativen Emotionen zwischen Dir, ihm und seiner Erstfrau. Entweder kommt er mit der Situation nicht klar und lässt sich von Dir scheiden oder er behält Dich, wird aber zusehends immer gestresster und bereut die Ehe mit Dir jemals eingegangen zu sein. Es könnte auch sein, dass er Dich einfach geheim weiterhält und sich von dir sowohl körperlich als auch Emotional distanziert. Du wirst in so einer Situation viele Deiner Rechte als Ehefrau verlieren. Ausserdem bedenke, dass es ihm doppelt so leicht fallen würde sich von Dir scheiden zu lassen, wenn niemand von eurer Ehe wüsste.

Lösung:

Ehebetrüger und Playboys können oft entlarvt werden, indem man sie auffordert ihren Eltern vorgestellt zu werden. Fordere sie also stets gerade heraus auf, dass Du die Eltern des Anwärters kennenlernen möchtest. Wenn er dies ablehnt oder fadenscheinige Ausreden bringt, dann solltest Du Dich nicht weiter auf ihn einlassen. Im Zweifel erkläre, dass Du auch bereit bist in seine Heimat mit ihm zu fahren und dass es eine Bedingung für Dich ist die Familie kennenzulernen, bevor Du die Ehe konsumierst (d.h. den ehelichen Geschlechtsakt vollziehst). Stelle dies vor der Eheschließung zweifelsfrei klar, sodass er seine Ernsthaftigkeit unter Beweis stellt, indem er Dir die Familie vorstellt, bevor er die Früchte der Ehe geniessen darf.  Frage ihn nach seinem Aufenthalts-Status und was seine Pläne in dieser Hinsicht sind. Frage ihn wo er in Zukunft leben möchte und wie er ggf. plant für deinen Aufenthalt dort zu sorgen. Es ist ratsam, dass ihr mit dem Kinder kriegen wartet, bis ihr beide eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für euren Wohnort (Land) habt. Lehne in jedem Fall eine geheime Ehe ab – egal ob als Erst- oder Zweitfrau.
Wenn Du einen bereits verheirateten Mann heiraten möchtest und seine Zweitfrau werden willst, dann bitte ihn darum seine Erstfrau treffen zu dürfen und stelle sicher, dass sie bescheid weiss – oder besser noch – mit der Mehrehe einverstanden ist. Einige Menschen denken, dass eine Erstfrau nie mit einer Mehrehe einverstanden sein könnte, aber das kann sie durchaus sein. Und jeder Mann, der seiner Erstfrau die Neuigkeit über seine zweite Ehe erst am Tage der Eheschliessung mit der Zweitfrau mitteilt, ist warscheinlich ein Mann der es gewohnt ist, viele Geheimnisse zu haben. Außerdem möchtest Du ja auch nicht am Ende geschieden werden, weil seine Erstfrau es doch nicht so gut verarbeitet wie er es sich ausgemalt hatte. Denn, wer weiss. wie gut oder schlecht die Idee der Mehrehe von ihm durchdacht wurde. Deswegen solltest Du Dir am Besten selbst ein Bild davon machen und unbedingt einmal mit seiner Erstfrau darüber sprechen. Natürlich mag dieser Rat nun einige verwundern, aber es gibt durchaus Frauen, die mit einer Mehrehe nicht nur einverstanden sind sondern ihre Männer sogar in ihrer Absicht unterstützen. Außerdem ist er ein Mann der Integrität, wenn er so offen und direkt über seine Absichten mit seiner Frau spricht. Der Respekt, den er durch seine Ehrlichkeit, seiner Erstfrau zeigt, ist letzlich der Respekt, den er Dir als Ehefrau zeigen wird. Und wenn seine Erstfrau für den Rest eures Lebens verbittert sein würde, würden diese Emotionen auotmatisch auch Dich, Deinen Ehemann und eure Beziehung negativ beeinflussen; Der dadurch zu erwartende Stress in der einen Ehe löst sich ja dann nicht einfach in nichts auf, sobald er dann bei Dir ist. Viel mehr wird er seine Probleme mit seiner Erstfrau und den ganzen Stress immer stets mit zu Dir bringen. Wenn er sprachlos oder ablehnend reagiert, wenn Du ihn mit dem Wunsch seine Erstfrau zu sprechen konfrontierst, dann sollten bei Dir die Alarmglocken läuten.  Wenn er Dir sagt, dass er ihr davon erzählte, dann bitte Ihn um Kontaktdaten, damit Du sie kennenlernen kannst oder Du zumindest von ihr persönlich bestätigen lassen kannst, dass sie bescheid weiss. Und selbstverständlich solltest Du nicht vergessen ihr eine Einladung für die Hochzeit zukommen zulassen.

Gutes gelingen, liebe Schwester!

4 Gedanken zu „4 Ehe-Fallen für muslimische Konvertitinnen und wie man diese umgeht“

  1. Salam alaykum,
    sehr interessanter, und für neue Muslimas wichtiger Beitrag. Denn viele Mädchen nehmen in jungen Jahren d. Islam an, und da fehlt ganz einfach noch die Lebenserfahrung um mit diesen (möglichen) Problemen fertig zu werden, bzw. sie zu beachten.
    Da ist ein gutes muslimisches Umfeld sehr wichtig und nötig.
    Ein paar erfahrene Schwestern um die neue Schwester herum, vielleicht hilft der Imam in d. Moschee auch weiter?, jedenfalls braucht die neue Schwester Hilfe u. Unterstützung beim Erlernen u. Umsetzen der neuen Religion bis sie gefestigt ist. Viele die zum Islam konvertiert sind wollen von Anfang an gleich alles auf einmal machen, statt es der Reihe nach anzugehen. Aber das liegt wohl in der Imaneuphorie begründet. Jedenfalls ist abschließend festzustellen, ein äußerst nützlicher Beitrag und lesepflichtig für alle neuen Muslimas.

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