10 Tipps, die dir dabei helfen den richtigen Ehepartner zu wählen

Es gibt einen richtigen Weg und einen falschen Weg, den man beim Kennenlernen eines potenziellen Ehepartners bestreiten kann. Der falsche Weg wäre, ohne die Stellung von kritischen Fragen an die jeweilige Person, die zur Beantwortung der möglichen Kompatibilität beider Partner beiträgt, sich voller Euphorie in einer anbahnenden Beziehung zu verfangen. Eines der größten Fehler, den viele junge Muslime begehen, ist die ,,schnelle Heirat’’, die angemessene Möglichkeiten zum Kennenlernen des Ehepartners nicht zulässt. Es gibt ein allgemeines Missverständnis, welches sich in der folgenden Plattitüde äußert: „Je länger du mit jemanden Zet verbringst, desto besser lernst du ihn kennen.“ Die Problematik hinter diesem im Allgemeinen korrekten Grundgedanken ist die fehlende Überlegung darüber, wie diese gemeinsame Zeit verbracht wird. Es ist nicht zwingend erforderlich einen Menschen Jahre lang zu kennen, bevor man erkennt, ob man diese Person heiraten möchte. Aber die Zeit, die man hat, sollte durch ein qualitatives Kennenlernen gekennzeichnet sein. Es sollten die richtigen Fragen gestellt werden! Unglücklicherweise sind viele junge Muslime in der Kennenlernphase zu verlegen oder euphorisch, um kritsche Unterhaltungen zu führen. Nicht selten leiden diese paare später unter diesem Versäumnis. Falls du oder jemand anderes in Deiner Umgebung  sich in dieser Kennenlernphase befindet, könnten die folgenden Ratschläge euch dabei behilflich sein zu bedenken auf was zu achten ist und was dringend vermieden werden sollte.

1) Heirate keine Person, von der du nur glaubst sie habe lediglich Potenzial

Oft erwägen es Männer Frauen zu heiraten mit der Hoffnung, dass sie sich niemals verändert. Währenddessen hoffen Frauen den potenziellen Ehemann zu verändern. Nichtsdestotrotz, gibt es keine Garantie, dass diese Veränderungen positive Resultate mit sich bringen. Wenn du eine Person nicht akzeptieren kannst wie sie ist und dir nicht vorstellen kannst mit dieser gemeinsam Alt zu werden so wie sie im Moment ist, dann ist eine Heirat keine Option. Diese Unterschiede beinhalten unterschiedliche Themen, wie z.B. ideologische und praktische Unterschiede in Hinblick auf den Islam, Gewohnheiten, Hygiene, Kommunikationsfähigkeiten etc.

2) Wähle Charakter über Sympathie

Während die passende Chemie und die Attraktivität unter zwei Personen zweifellos wichtig sind, steht der Charakter an erster Stelle. Ein populäres Zitat besagt: ,,Die Chemie entzündet das Feuer, aber der Charakter lässt die Flamme weiter brennen.‘‘ Die grundlegende Idee hinter das ,,sich verlieben‘‘ sollte niemals der einzige Grund hinter einer Heirat sein; denn es ist sehr leicht Schwärmerei und Lust mit Liebe zu verwechseln. Die wichtigsten Charaktereigenschaften beinhalten Bescheidenheit, Freundlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Freude.

Hier folgt eine Erklärung der einzelnen Charaktermerkmale:

  • Bescheidenheit: Eine bescheidende Person wird niemals Forderungen an andere Personen erheben und sie stets gerecht behandeln. Diese stellt ihre Werte und Prinzipien über ihre persönlichen Gewohnheiten und Komfort. Sie sind geduldig, bescheiden, und meiden Materialismus.
  • Freundlichkeit: Diese Person ist ein vollkommener ,,Geber‘‘. Diese bemühen sich drum andere zu erfreuen und ihren Schmerz zu minimieren. Falls du herausfinden möchtest, ob eine Person ein ,,Geber‘‘ ist, so beobachte das Verhalten gegenüber Familie, Geschwister und Eltern. Sind sie dankbar gegenüber ihren Eltern? Ist dies nicht der Fall, so solltest du wissen, dass solch eine Person deine Taten nicht würdigen wird. Wie verhält er oder sie sich gegenüber Außenstehenden, zu denen sie im Grunde genommen nicht höflich sein muss  (z.B. Kellner, Verkäufer, Mitarbeiter etc.)? Wofür gibt er oder sie das Geld aus? Wie wird mit der eigenen Wut umgegangen und wie regiert diese auf die Wut anderer?
  • Verantwortung: Eine verantwortungsvolle Person kann die Balance zwischen Finanzen, Beziehungen, Beruf und Charakter wahren. Man kann dieser Person vertrauen und sich ihr anvertrauen.
  • Freude: Eine glückliche Person ist eine, die zufrieden mit dem Leben ist. Diese sind mit sich selbst und des eigenen Lebens zufrieden. Diese fokussiert sich auf das was sie besitzt, als sich dem zu winden, was man nicht besitzt. Sie beklagen sich sehr selten.

3) Vernachlässige nicht die emotionalen Bedürfnisse deines Partners

Beide, Frau und Mann, haben emotionale Bedürfnisse. Diese müssen für eine erfolgreiche Beziehung gegenseitig befriedigt werden. Bei einer Frau ist dieses fundamentale emotionale Bedürfnis mit dem Wunsch des geliebt-werdens verbunden. Wenn du dies erreichen möchtest, schenke ihr die die 3 A-A-As: Aufmerksamkeit (Attention), Zuneigung (Affection) & Anerkennung (Appreciation). Um dies bei einem Mann zu erreichen, schenke ihm die 3 R-R-Rs: Respekt (Respect), Bestätigung (Reassurance) & Unterstützung (Relief). Es ist die Pflicht eines jeden Partners alles Erdenkliche zu tun, um sicher zu stellen, dass der Partner glücklich ist und dies auch in intimen Angelegenheiten zu berücksichtigen. Solange jeder Partner seine emotionalen Bedürfnisse vom Partner bestätigt bekommt, wird die Beziehung aufblühen. Wenn ein Mann die emotionalen Bedürfnisse seiner Frau ernst nimmt, wird sie noch mehr ermutigt sein seine sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen. Im selben Fall wird mit die Beachtung seiner emotionalen Bedürfnisse, ihr Ehepartner bestärkt sein ihr die Zuneigung, Liebe und Würdigung, die sie sich wünscht, zu schenken.

4) Vermeide gegensätzliche Lebenspläne

In einer Ehe kann man entweder gemeinsam wachsen oder sich auseinander leben. So kann das Teilen eines gemeinschaftlichen Ziels im Leben, die Chance eines erfolgreichen, gemeinsamen Zusammenseins erhöhen.
Du musst wissen, was diese Person für Pläne hat. In anderen Worten, finde heraus was und wofür er oder sie sich begeistert und begeistern lässt. So frage dich auch: ,,Respektiere ich diese Leidenschaft?‘‘ ,,Respektiere ich die möglichen Konsequenzen dieser Leidenschaft und Begeisterung?‘‘
Je spezifischer du dich selbst definierst, z.B. deine Werte, dein Glauben und dein Lebensstil, desto höher ist die Chance einen Lebenspartner und Seelenverwandten zu finden, zu dem du am besten passt.
Bedenke, dass vor der Einbeziehung einer neuen Person in deinem Leben, du dein Ziel herausfinden und definieren musst.

5) Vermeide vorehelichen sexuellen/physischen Kontakt

Erkenne, dass hinter Allahs Verbot vor vorehelichen Intimitäten eine unglaubliche Weisheit steht. Es dient zur Prävention von größerem Schaden und Schutz des ehrwürdigsten Aspekts in einer Beziehung zwischen Mann und Frau.
Abgesehen von den offensichtlichen spirituellen Konsequenzen, kann eine Beziehung mit Körperkontakt signifikante Aspekte, wie Charakter, Lebensphilosophie und Kompatibilität unwichtig erscheinen lassen. Dies führt zu einer Romantisierung aller Lebensaspekte und verhindert so die Erinnerung und Auseinandersetzung mit den kritischen Fragen, die es zu diskutieren gilt.

6) Vermeide rein Gefühls-basierte Beziehungen

Folgende 4 Fragen müssen mit JA beantwortet werden:

  1. Respektiere und bewundere ich diese Person? Was genau respektiere und bewundere ich an dieser Person?
  2. Vertraue ich dieser Person? Kann ich dieser Person vertrauen? Vertraue ich ihrem oder seinem Urteilsvermögen? Kann ich auf Ihn/Sie zählen? Glaube ich was mir gesagt wird?
  3. Fühle ich mich sicher? Fühle ich mich emotional sicher mit dieser Person? Kann ich verwundbar sein? Kann ich so sein wie ich bin? Kann ich offen sein? Kann ich mich selbst ausdrücken?
  4. Fühle ich mich gelassen und in Frieden, wenn ich mit dieser Person spreche?

Wenn die Fragen mit folgendem beantwortet wird: ,,Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher. etc.‘‘; so versuche weiter einzuschätzen, ob du dir absolut sicher bist und werde dir deiner Gefühle klar. Wenn du dich nicht sicher fühlst, wirst du dich auch nicht in der Ehe sicher fühlen. Wenn du jetzt kein Vertrauen hast, wird sich dies auch nicht in der Ehe ändern!

7) Richte deine Aufmerksamkeit auf deine eigenen emotionale Angst

Jemand zu wählen, bei dem du dich nicht sicher fühlst, ist keine gute Empfehlung, um einen langanhaltende und mit Liebe gefüllte Ehe zu schaffen. Wenn du dich nicht sicher fühlst, kannst du deine Gefühle und Meinungen nicht ausdrücken. Lerne herauszufinden, ob du selbst in einer missbräuchlichen Beziehung lebst. Wenn du ständig das Gefühl hast deine Aussage mit Vorsicht aussprichst, und wenn du mit jemanden zusammen bist, mit dem du dein innigsten Gedanken nicht teilen kannst, so befindest du dich in großer Wahrscheinlichkeit in einer missbräuchlichen Beziehung.

  • Kontrollierendes verhalten: Dies beinhaltet die übermäßige Kontrolle deines Tuns, deines Denkens,  deiner Freizeit, deiner Kleidung und die Art wie du deine Hidjab/Kopftuch herrichtest. Erkenne den Unterschied zwischen Vorschlägen und Aufforderungen. Übermäßig authoritäre Aufforderungen könnten Ausdruck eines Kontrollzwangs sein. Diese implizieren eine Einhaltung, sonst folgen gewisse Konsequenzen. All diese Merkmale sind  Indikatoren, die auf eine missbräuchliche Persönlichkeit hinweisen.
  • Wutausbrüche: Dies beschreibt eine Person die ihre Stimme in regelmäßigen Abständen erhöht, wütend ist, wütend auf dich wird, die Wut gegen dich richtet, dich erniedrigt, dich verflucht etc. Du musst diese Erniedrigungen nicht akzeptieren. Viele Menschen, die dieses Verhalten tolerieren, stammen aus missbräuchlichen Familien. Wenn auf dich oder einem Bekannten zutrifft, ist die Suche nach sofortiger Hilfe  unumgänglich. Beschäftige dich mit diesen Problemen vor einer möglichen Hochzeit, ja weit bevor du über eine Ehe nachdenkst.

8) Hüte dich vor einer fehlenden Offenheit des Partners

Viele Paare begehen den Fehler nicht alle Angelegenheiten zur Diskussion vorzulegen. Frage dich selbst: „Was muss ich wissen, um absolut sicher zu sein, dass ich diese Person heiraten möchte? Was stört mich an dieser Person oder dieser Beziehung?“ Es ist sehr wichtig sich mit den Dingen, die dich stören und Angelegenheiten, die dich beunruhigen, zu beschäftigen und Dinge, die dich in voller Angst davon abhalten Angelegenheiten zur Diskussion in den Raum zu stellen. Du musst eine ehrliche Diskussion darüber führen. Dies ist ein guter Weg um die Stärke eurer Beziehung zu testen. Das Sprechen über Probleme mit Konfliktpotenzial sind passende Möglichkeiten, um eure Kommunikation, Verhandlungen und Teamgeist zu bewerten. Wenn Menschen in Machtkonflikte geraten und sich gegenseitig beleidigen, ist dies ein Hinweis für fehlenden Teamgeist. Weiterhin ist es wichtig sensibel mit dem Partner umzugehen. Frage tiefgehende Fragen und beurteile die Antworten. Wie geht man auf sie ein?  Ist man abwehrend oder angreifend? Zieht man sich zurück oder fühlt man sich genervt?  Gibt man dir die Schuld oder wird es komplett ignoriert? Werden sie rationalisiert betrachtet oder als Unwichtig betitelt? Beobachte aufmerksam, was und wie es gesagt wird!

9) Übernehme die persönliche Verantwortung

Dass allein du selbst für dein persönliches Glück verantwortlich bist, ist ein sehr wichtiger Aspekt, den du dir stetig vor Augen halten musst. Sehr viele begehen den Fehler zu glauben, dass ausschließlich ein Ehepartner das persönliche Leben verbessert und schließlich vollkommnen kann. Unglücklicherweise versäumt es diese Person zu realisieren, dass Trauer und Unglück, welcher vor der Ehe existierte, auch in der Ehe weiter anhalten kann und i.d.R auch wird. Wenn du im Moment mit deinem Selbst oder deinem derzeitigen Lebensweg unzufrieden bist und dich nicht liebst, so ist es, bevor du eine Heirat in Betracht ziehst, von großer Wichtigkeit Verantwortung zu übernehmen und du sofort damit zu beginnen an den jeweiligen Baustellen deines Lebens zu arbeiten. Bringe diese Problematiken nicht mit in die Ehe mit der Hoffnung dein Ehepartner könne dies lösen.

10) Achte darauf, dass es deinen potentiellen Partner nicht an emotionaler Gesundheit und Stabilität fehlt

Zahlreiche Menschen wählen Partner, die man als nicht seelisch gesund und emotional stabil einstufen kann. Ein riesiges Problem stellt die Unfähigkeit eine gesunde emotionale Bindung zu den eigenen Familienmitglieder und dem Ehepartner zu finden. So sind schließlich statt der ursprünglichen 2 Partner, mehrere Personen in der Ehe mit verwickelt. Ein anschauliches Beispiel würde ein Mann darstellen, der offensichtlich zu abhängig von seiner eigenen Mutter ist und diese Abhängigkeit mit in die Ehe bringt; ein eindeutiges Desaster ist vorprogrammiert.Wir empfehlen folgende Punkte zu beachten:
Meide Personen, die sich emotional leer fühlen. Zu dieser Personengruppe gehören insbesondere Menschen, mit fehlender Selbstliebe und emotionaler Zugänglichkeit. Sie beschäftigten sich häufig mit ihren eigenen Defiziten, fühlen sich schlecht, sind isoliert, kritisch und wertend, meiden enge Freundschaften und misstrauen oder fürchten sich oft vor anderen Personen. Ein weiteres deutliches Indiz ist die sichtbare Kritik ihrer Lebensumständen, welche mit einer Wut einhergehen, da andere Menschen sich nicht drum kümmern. Die Bedürfnisse anderer Menschen belastet sie und sie hegen Groll gegen sie. Diesen fehlt es an emotionaler Reife und Sensibilität um eine gesunde Beziehungen aufbauen zu können.
Gewisse Süchte können auch das Level der emotionalen Zugänglichkeit, elementarer Bestandteil einer festen emotionalen Beziehung, einschränken. Heirate niemals eine süchtige Person. Süchte dürfen nicht ausschließlich mit Drogen und Alkohol in Verbindung gesetzt werden. Dieser abhängige Zustand kann sich in den Sphären der Arbeit, Internet, Hobbys, Sport, Shopping, Geld, Macht, Status, Materialismus etc. entwickeln. Die für die Entwicklung einer engen Beziehung nötige emotionale Reife und Zugänglichkeit kann und wird eine süchtige Person nicht bieten können!

Weitere zusätzliche Punkte, dies es zu beachten gilt:

1) Fakt ist, dass niemand sein Leben lang wie ein 25 jährige/r Mann oder Frau aussehen wird. Letztendlich sollten wir eher die Persönlichkeit einer Person lieben und nicht nur das Äußere. Wenn wir eine Person kennen lernen, die wir lieben und verehren, lieben wir ihre innere Schönheit und diese als Gesamtperson.

2) Wenn man einmal jemanden gefunden hat, versucht man bewusst oder unbewusst alles nötige zu tun, sodass alles klappt. Es fehlt eine kritische Hinterfragung oder das klare Erkennen von Warnzeichen und Fehlern, die wir unter normalen Umständen nie übersehen hätten: Er oder Sie war unhöflich zu dem Kellner, spricht schlecht über andere, ist unhöflich usw. Wir hören nicht auf uns zu fragen: „Was sagt dies all dies über der jeweiligen Charakter aus?“

3) Betrachte jemanden niemals völlig losgelöst von seiner Familie, Herkunft, Bildung, Glaubenssystem etc. Stelle klare Fragen. Stelle z.B. folgende Fragen: „Was bedeutet es einen simplen Lebensstil zu haben? Welche Erwartungen hast du an die Ehe? Wie würdest du beim Haushalt mithelfen?“ Vergleiche deine Definitionen und Antworten mit seinen.

4) Bleibe flexibel und offen!

5) Eine glückliche Ehe sollte niemals mit voller Aufopferung verwechselt werden. Sowohl die eigenen Freude aus der Ehe und eurer Beziehung als auch das Erfreuen am Glück des anderen soltlen bei euch beiden vorhanden sein.

6) Die Moralität und Religiösität sind Eigenschaften, die höher als Schönheit, Geld und Gesundheit sind und eine Person wahrhaftig definieren. Die moralisch aufrechte und spirituelle Person wird in jeder Notlage zu dir stehen. Wenn jemand nicht gottesfürchtig ist und selbst keine Beziehung zu Allah, seinem Schöpfer, aufbauen kann, wie kannst Du erwarten, dass er dir deine Rechte erfüllt? Der ideale Partner ist jemand, der dir einen Zuwachs schenkt und keinen Verlust, der dein Leben auf vielen Ebenen bereichert und nicht verarmt. Eine gute Beziehung wird eine Ehe stetig stärken und erfolgreich werden lassen. Zudem gehört zu einer erfolgreichen Ehe, dass die Familienwerte respektiert werden, dass ein gewisser Grad an Selbstkontrolle und Selbstdisziplin vorhanden ist, und auch das Wissen über die Wichtigkeit der spirituellen und emotionalen Seite berücksichtigt wird. Das Finden von Gemeinsamkeiten und das Gleichgewicht zwischen spirituellen und emotionalen Aspekten einer Beziehung, ist der mächtige Schlüssel hin zu einer gesunden und blühenden Ehe.

Möge Allah Dir eine blühende Ehe schenken.

Unverheiratet und kinderlos : Einsamkeit überwinden

Frage:

Ich war verlobt und stand kurz davor zu heiraten, jedoch änderte plötzlich mein Verlobter seine Meinung und entschied sich eine andere Frau zu heiraten. Ich war am Boden zerstört, fühlte mich gedemütigt und verlassen. Jedes Mal, wenn ich versuche eine andere Beziehung anzubahnen, erlebe ich Misserfolge. Ich wurde von denen verlassen, die ich am meisten liebe und wurde betrogen. So blieb ich unverheiratet, ohne Kinder und wurde immer wieder enttäuscht. Ich bin geduldig, bete und spreche meine Du’as (Bittgebete) und erfüllte meine Pflichten gegenüber Allah subhanahu wa ta`ala (gepriesen sei er). Dennoch fühle ich mich manchmal sehr einsam und leide an Herzschmerz. Ich wünschte ich könnte eines Tages mit einem Lächeln und Freude aufstehen, und ohne Enge in der Brust und einer verwundeten Seele. Wie kann ich diesen Schmerz, denn ich gerade erleide, mildern?

Antwort:

Du hast eine Trennung erlebt, die sehr schmerzend und beschämend für dich war. Du sehnst dich nach der emotionaler Bindung, die du mit deinem Verlobten erlebtest und bist traurig und fühlst dich nun allein ohne ihn. Eine misslungene Beziehung sollte trotz der Erschwernis als ein kontinuierlicher Lernprozess und als Möglichkeit zur individuellen  Persönlichkeitsentwicklung gesehen werden. Es erscheint mir so, als würdest du weitere potenzielle Ehepartner suchen und ehrgeizig deine Heiratsabsicht und deinen Kinderwunsch versuchen zu realisieren. Dieser Prozess löste viele Enttäuschungen aus. Wahrscheinlich machte sich so Unsicherheit und Angst breit, dass du unverheiratet und ohne Kinder dastehen wirst und sich dieser Zustand niemals ändern wird.

Als ersten Schritt zur Überwindung der Einsamkeit wäre es empfehlenswert dich selbst zu akzeptieren. Werde selbstbewusst und sei nicht besorgt oder ängstlich und reflektiere dich selbst. Frage dich, wer du bist als Person und wer du bist in Interaktion mit anderen Personen. Diese Selbsterkenntnis wird dir bei der Verbesserung deiner Beziehungen zu anderen Personen behilflich sein. Wenn diese Akzeptanz und das Selbstbewusstsein erreicht wurde, wirst du in der Lage sein mit anderen zu interagieren und in der Lage sein mehr von dir zu geben. Dein Interesse für andere und weiteren Projekten wird steigen und dieses Selbstbewusstsein wird die Menschen um dich herum auf dich aufmerksam machen. Du wirst bereit sein neue Leute kennenzulernen und das Beste aus deinen sozialen Kontakten zu schöpfen. Um weiter deine Einsamkeit zu reduzieren, kannst du Gruppen und Organisationen beitreten. Hier kannst du in mit anderen in Kontakt treten, die ähnliche Interessen wie du haben. Beispielsweise könntest du einer Klasse beitreten, um dein Wissen in der Religion zu erweitern oder dich ehrenamtlich für ein Thema deines Interessenfelds einsetzen. Mit diesen neuen Erfahrungen wirst du andere Gleichgesinnte treffen und eine soziale Unterstützung erhalten, die dir dabei behilflich sein wird deine Einsamkeit zu mindern.

In guter Gesellschaft zu sein ist ein natürliches menschliches Verlangen. Der Einsamkeitsgedanke steigt und fällt im Laufe der Lebenszeit eines Menschen aufgrund von Erfahrungen und Ereignisse, die im Leben passieren, wie mit dem Verlust von Freunden oder  Angehörigen oder das Verlassen von Geliebten aufgrund eines Umzugs und dergleichen.  Einige Menschen fühlen sie für eine längere Zeit sehr einsam und dies könnte eine Depression auslösen. Wenn diese darunter leiden scheinen sie das Leben aus der ‚,dunkleren Seite‘‘ zu betrachten und verlieren so ihre Zukunftshoffnungen. Alles was sie betrachten sehen sie wie durch geschwärzte Brillengläser und es fällt ihnen sehr schwer irgendetwas positives in ihrem Leben wahrzunehmen. Wenn du einen Therapeuten aufsuchst, um über deine Gefühle zu sprechen, kannst du eine Unterstützung erhalten, die dir dabei behilflich sein könnte deine Unzufriedenheit zu überwinden. Ohne diese professionelle Unterstützung könnte diese depressive Stimmung auf Grund der negativen Gedankenmuster und des Hilflosigkeitsgefühlen schwer überwindbar sein. Du leidest immer noch unter der Auflösung eurer Verlobung und blickst düster in die Zukunft. Besondere Geduld und die positive Einstellung gegenüber dem, was Allah (swt) für dich geplant hat, wird dir bei der Bewältigung deiner Probleme behilflich sein. Nun hast du die Möglichkeit neue Leute kennenzulernen und dich voller Leidenschaft neuen Aktivitäten zu widmen. Weiterhin kannst du die Zeit zur Selbstreflexion nutzen  und dich dem Gebet widmen, das dich bei der Akzeptanz und dem Vertrauen von Allahs (swt) Pläne und seiner göttlichen Weisheit unterstützt.

Dieser Artikel wurde von zwei Autoren erstellet. Amal Killawi, eine Sozialarbeiterin mit der Spezialisierung auf mentaler Gesundheit und Eheberatung sowie Munira Lekovic Ezzeldine, eine Familien- und Ehetherapeutin, die sich spezialisiert hat auf voreheliche Beratung. Bitte achtet darauf, dass die Autoren keine islamische Ausbildung haben und es deshalb auch möglich ist, dass nicht alle religiösen Aspekte beachtet worden sind.

Sie ist verliebt in einen nicht-muslimischen Klassenkameraden und sucht nach Rat

Frage:

Welchen Rat würden Sie einem Mädchen geben, das sich in einen nicht-muslimischen Klassenkameraden ihrer Oberstufe verliebt hat? Sie ist eine praktizierende Muslima, sie hatte keine ,,Affäre‘‘ oder  körperlichen Kontakt zu ihm. Sie spricht jeden Tag mit ihm. Zu Beginn nahm sie an, dass diese Gefühle eher einseitig waren, doch nun hat dieser Junge ihr seine Liebe gestanden. In diesem Moment war sie mutig genug der Situation unmittelbar zu entgehen. Ihre Gefühle überwältigen sie und sie kämpft mit ihrer Liebe auf der einen und ihrem Glauben auf der anderen Seite. Was würden Sie ihr sagen und anraten?

Antwort 1 (Berater Siradsch):

Zunächst ist es wichtig damit zu beginnen ihr zu sagen, dass ihre Gefühle weder falsch noch richtig sind.

Ich würde mich um die Stärkung und Betonung ihrer muslimischen Identität bemühen. Das wohl schrecklichste Resultat, welches ich bei Versuchen junger Muslime beobachtet habe die eigene Identität mit den Emotionen in Einklang zu bringen, ist die Entscheidung den Islam vollkommen zu verlassen, damit sie sich beim ,,Daten‘‘ gut fühlen können und kein schlechtes Gewissen haben müssen.
Deswegen ist meine grundlegende Herangehensweise die Fokussierung auf das, was sie richtig getan hat. Ihr Iman ist stark masha’Allah und dieses Leben ist eine Prüfung, die sie bestehen wird. Allah prüft diejenigen, die er am meisten liebt. Dies beinhaltet alle schwierigen Aufgaben, die einen belohnen und selbst der Prophet Yusuf [as] durchlebte diese Art der Prüfung und er bevorzugte lieber eine Gefängnisstrafe als in eine Sünde zu fallen.

Ich würde mich auch auf die Geschichte der Barseesa, einem Mann der Bani Israel, beziehen. Beziehe dich hier auf die Lektion, die man daraus ziehen kann, und wie auch sie sich für das Richtige entschied und dem Bösen den Rücken kehrte, um dem Unglaube zu entfliehen. Ich würde mich auch auf meine obere Erfahrung beziehen, über Personen die aus ähnlichen Gründen den Islam verließen, und betonen, dass Barseesa sich für das richtige entschied, um sich selbst zu schützen.

Ich glaube, dass die Beziehung zu ihm nicht erlaubt ist, wird implizit mit deinen stärkenden und aufmunternden Worten suggeriert. Ich würde sie nicht der ,,Haram Karte‘‘ und ,,Ich-habe-es-dir-ja-gesagt-Dialogen‘‘ belästigen a la: ,,Dies ist Haram. Du solltest solche Beziehungen vermeiden. Wie kannst du nur? Was läuft eigentlich schief bei dir? Siehst du was in einer Geschlechter-gemischten Umgebung passiert?‘‘

Ich würde den Jungen, den sie liebt, niemals verspotten oder ihre Gefühlen nicht ernst nehmen. Ich würde die Prüfung Allahs betonen und die Tatsache, dass sie offensichtlich die Situation physisch verlassen und den ersten Schritt in die richtige Richtung begonnen hat und dennoch die schwierigere, mentale und psychische Abgrenzung noch vor ihr liegt. Dies kann sie tun, indem sie den Junge soweit wie möglich aus ihrem Leben fernhält, wo immer sie auch kann.

Personen, die sich in dieser schwierigen Situation befinden, haben oft den Drang darüber zu sprechen – über die Person, ihre Geschichte, wie sehr sie ihn mochte, wie sie es bemerkt hat. Jede Nuance hat eine Bedeutung und oft ist es so, dass sie dies einfach raus lassen möchte und sich nach einer vertrauenswürdigen und aufmerksamen Person sehnt, mit der sie uneingeschränkt sprechen kann und die sie nicht verurteilt. Diese Vertrauensperson, die dieser Aufgabe gewachsen ist, wird insha’Allah zuerst Vertrauen auf der emotionalen Ebene schaffen und so anschließend einen besseren Einfluss üben können

So würde ich es in dieser beschriebenen Situation machen.

Antwort 2 (Beraterin Hina):

Zu diesem Zeitpunkt braucht sie jemanden, der sie beruhigen kann und zu dem sie trotz emotionaler Aufruhr sprechen kann.

Ich würde sie umarmen und sie fest an mich drücken, ihr eine körperliche Nähe schenken, die ihr mein Mitgefühl zeigt.

Das Tragen der Last eines Geheimnisses kann einen großen Stress auslösen. Die Oberstufe ist bereits so stressig und unsere Mädchen sind in dieser Gesellschaft seit ihrer Kindheit mit dem Konzept der ,,Liebe‘‘ förmlich bombardiert worden. Die Erfahrung mit der ersten Liebe ist stets eine sehr mächtige. Die Intensität, die wir in diesem Alter erfahren, ist weitaus stärker als bei älteren Personen – aber letztlich kommen und gehen Gefühle.

Die meisten Beziehungen in den Oberstufen halten nicht lange an, selbst wenn beide Personen derselben Religion angehören. Sie verlieben sich und die Beziehung überlebt nach dem Abschluss nicht, da der tagtägliche Kontakt im Klassenzimmer und Flur nicht mehr da ist. Nach dem Abschluss schlagen die meisten Schüler neue Wege ein.

Ihre Gefühle mögen nicht kontrollierbar sein, aber ihre Handlungen schon.
Wie hast du von diese Sache erfahren? Hat sie es dir erzählt oder hast du es herausgefunden? Wenn sie zu dir kam, solltest du ihre Weisheit schätzen.
Genauso wie Prophet Muhammad (Friede und Segen sei auf Ihm) die Sahaba behandelte, musst auch du ihr Herz sanft behandeln.

Bitte stelle die Liebe zum Schöpfer und die Liebe des Schöpfers zu seinem Diener der Liebe zwischen den Geschöpfen gegenüber. Führe sie zurück zu Allah. Um dieses zu erzielen, gibt es keinen schmerzlosen Weg. Wenn sie weint, empfehle ihre diese Tränen an Allah zu wenden. Lasse sie folgendes Dua aussprechen: ,,Oh Allah, der Herrscher unserer Herzen und Tränen, öffne mein Herz und mache mich standhaft für deine Religion.‘‘

Es wirkt so als würdest du ihr viel Stärke zutraust. Das sollte sich auch in deinem Ton wiederspiegeln und es ist für sie eine große Hilfe zu wissen, dass jemanden, den sie respektiert, an sie glaubt. Helfe ihr einen konkreten Plan zu erstellen, indem sie sich Gedanken macht, wie sie den Kontakt zu ihm abbrechen kann und frage regelmäßig nach ihrer Situation und ihren Gefühlen.

Möge Allah ihre Prüfung erleichtern und ihr den Schatten seines Thrones schenken.

Antwort 3 (Beraterin Nadya):

Obwohl einige nachvollziehen können, wie es ihr geht, weiß nur Allah GENAU, was sie fühlt und wie schwierig ihre Lage GENAU ist. Ich würde ihr sagen, dass wenn sie alleine ist (Im gebet während der Niederwerfung [arab. Sudschud) oder im regulären Du’a), ihren Herzschmerz zu Allah ausspricht. Sie soll genau über ihre Gefühle und Erlebnisse sprechen, sicher bewusst machen, dass Allah weiß wie schwer es ist und sie soll um Kraft beten, damit sie diese Prüfung übersteht, und sie soll ihren Glauben über ihre Emotionen stellen – trotz der ungeheuren Schwierigkeit und Qual zu stellen. Ich würde sie daran erinnern, dass aus so einer Prüfung eine ganz nahe Beziehung zu Allah entstehen kann, die es das alles Wert sein wird.

Ich würde sie daran erinnern, dass dies ein Test für sie ist. Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens geprüft und genau so unterscheidet Allah die Geduldigen und zukünftigen Paradiesbewohner von den anderen. Einige Personen werden mit dem Tod eines Geliebten getestet, einige mit Krankheit, einige mit Armut oder Reichtum, und einige mit Liebe und Emotionen. Ihre heimliche Liebe zu ihm war bereits an und für sich eine schwere Prüfung, aber dass er die Liebe ihr sogar erwiedert?!?! Oh ja, zweifellos…. Das ist ein großes neonleuchtendes Warnschild mit den Worten: ,,Große Prüfung von Allah! Große Prüfung von Allah !‘‘ Es erinnert mich auch an die Ayah des Korans in der Sure Al-Baqarah:

,, […] und vielleicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wißt nicht.” (Sure 2:216)

Erwähne diese Ayah, wenn es der Situation entsprechend angemessen ist. Dies könnte  ebenfalls von Nutzen sein .

Möge Allah sie stäken!

Meine Eltern sind mit der Wahl meiner Zukünftigen nicht einverstanden

Muslim-Ratgeber: Meine Eltern sind mit der Wahl meiner zukünftigen Ehepartnerin nicht zufrieden. Was soll ich tun?

Frage:

Ich befinde mich in einer sehr komplizierten Situation mit meinen Eltern und dem Mädchen, dass ich heiraten möchte. Was soll ich in dieser schwierigen Situation tun? Meine  Eltern sind mit dem Mädchen nicht einverstanden, da wir aus verschiedenen Kulturen kommen. Aber aus islamischer Sicht ist nichts daran auszusetzen. Deshalb überlege ich sie doch zu heiraten. Was soll ich tun?

Antwort:

Es hört sich so an als würdest du im Zwiespalt sein mit dem, was du möchtest und dem was deine Eltern für dein Leben möchten. Das ist verständlich, denn selbst Entscheidungen zu treffen muss man erst lernen, was manchmal sehr schwierig sein kann. Die Probleme, denen sich Paare aussetzen müssen gegenüber Eltern und deren Wünsche, können sehr vielfältig und verschieden sein. Da ich dich und deine Familie nicht kenne, werde ich mich allgemein halten und versuchen verschiedene Möglichkeiten aufzuzählen:

1. Deine Eltern könnten dich enterben oder nicht zu deiner Hochzeit kommen. In solch einer Situation erinnere ich Paare gerne daran, dass der Ehepartner, der seine Familie verlässt  in folge dessen in eine schwierige Lage kommen kann. Dies wird bewusst oder unbewusst immer ein Thema sein in der Ehe – denn es bleibt der gedanke, dass eine Person in der Partnerschaft  für die andere so vieles aufgegeben hat. Das kann euch näher zusammenbringen nach dem Motto, du und ich gegen den Rest der Welt oder zu Problemen führen, mit dem Vorwurf: “Schau was ich alles für dich aufgegeben habe!“ Und diese Aussagen werden auftauchen, sobald der erste Konflikt in eurer Beziehung auftaucht. Ihr beide müsst euch über eure Gefühle in diesem Zusammenhang im Vorfeld austauschen.

2. Wenn deine Familie von der Heirat nicht angetan ist, wirst du sie leider bei Konflikten nicht konsultieren können. Das einzige, was du hören wirst, ist: „Ich habe es dir gesagt.“ Du bist allein auf dich gestellt und wirst keine Unterstützung erhalten. Außerdem liegt es daran wie sehr deine Familie dagegen ist, desto mehr oder weniger Zeit wirst du in Zukunft mit ihnen verbringen.

3. Enkelkinder: Deine Eltern könnten ihre Beziehung zu deinen Kindern einschränken, wenn sie kein gutes Verhältnis zu dir oder deiner Frau haben. Außerdem könnten sie sich in deine Erziehung einmischen und die Entscheidung deiner Frau und dir anzweifeln.

4. Wenn du dich wohl fühlst und Akzeptanz findest bei deinen Schwiegereltern kannst du die Beziehung zu ihnen stärken und Unterstützung von ihnen erhalten. Dies könnte dir den Stress erleichtern , der entsteht, wenn man eine Familie zusammen gründet.

Ich möchte, dass du dir diese Fragen stellst:

– Werden meine Eltern überhaupt irgend jemanden akzeptieren, den ich selbst auswähle? Wenn ja, warum und wenn nicht, warum?

– Was sind ihre Erwartungen? Und warum?

– Was könnten die Ängste meiner Eltern in dieser Situation sein?

– Warum möchte ich sie heiraten? Ist es die beste Wahl für mich und für das, was ich mir in Zukunft vorstelle?

– Wie werde ich mit meiner Entscheidung und den konsequenzen umgehen und wie wird es weitergehen?

-Wie werde ich mit meiner Entscheidung umgehen und wie wird es weitergehen?

Möge Allah, der Erhabene, dich zum Besten führen.

 

Dieser Artikel wurde von zwei Autoren erstellet. Amal Killawi,eine Sozialarbiterin mit der Spezialisierung in mentaler Gesundheit und Eheberatung und Munira Lekovic Ezzeldine, eine Familien und Ehetherapeutin, spezialisiert auf vorehelicher Beratung. Bitte achtet darauf, dass die Autoren keine islamische Ausbildung haben und es deshalb auch möglich ist das nicht alle religiösen Aspekte beachtet worden sind.

Über die Sexualität in der Ehe – für frisch verheiratete Muslime!

5 Jahre verheiratet – lebe trotzdem deine Fantasien

Ich bin in den 90ern Jahren aufgewachsen, also noch vor dem Internetzeitalter, mit einer östlichen, konservativen, ausländischen Erziehung mitten in der westlichen Welt. Deshalb kann man sich denken, dass ich recht ahnungslos aufgewachsen bin im Bezug auf Sexualität. Das einzige Wissen, was ich erhielt, war die Sexualkunde in der Grundschule, welche die Anatomie und biologischen Körperteile darstellte und dann, aber, sofort in die Geburtsmethoden übersprang. Außerdem ging es darum, tabulose Jugendliche mit einem beträchtlichen Hormonüberschuss davon zu überzeugen sich in Abstinenz zu üben. Aber sogar diesen verhältnismäßig harmlosen Kurs erlaubten mir meine Eltern nur argwöhnisch.

Meine Mutter sprach NIE mit mir über dieses Thema und ich traute mich nie sie zu fragen, wir hatten einfach nicht diese Art Beziehung. Ich machte ihr keine Vorwürfe, sie wuchs in einer anderen Gesellschaft auf. Als ich meine Monatsblutung bekam, sagte sie mir, was eine beschämende Sache dies sei und wie ich es vor meiner ganzen Familie verstecken müsste. Sie legte mir nah, dass ich während meiner Periode zum Suhur (Frühstück vor dem Fasten) aufstehen musste, um mit meiner Familie zu essen. Und ich aß während des Ramadans auch nicht zu Hause, wenn ich meine Periode hatte und nicht deswegen nicht fastete, denn  ich hatte Angst von ihnen erwischt zu werden. Ich war wirklich so schüchtern und schämte mich für diese natürliche Sache. Ich weigerte mich beim Arzt einen Abstrich machen zu lassen, weil ich mir nicht vorstellen konnte mich in so einer Position vor ALLEN hinzulegen.

Dann kamen die Jahre vor der Ehe, als meine Eltern wollten, dass ich den Jungen mag, ihn heirate und mit ihm zusammenziehe – alles innerhalb von einer Woche. Meine Gedanken dabei waren: ´Nur über meine Leiche werde ich in einem Raum mit einem Jungen eingeschlossen sein, den ich nicht wirklich kenne. Und so kam ich auf die ach so verrückte Idee, zuerst die Nikah zu vollziehen und dann erst nach ein paar Monaten mit ihm zusammenzuziehen. Wir akzeptierten beide. Immer noch ahnungslos über das ´Bienchen und Blümchen´-Thema versteinerte ich praktisch beim Gedanken an diese eine magische Nacht. Meine Erwartungen…? Da warenschlichtweg keine. Solange seine Gelüste gestillt sind, bin ich erfolgreich, richtig? Ist es nicht das was passieren soll?
Nach unserer Nikah, bereits in den Vorbereitungen für unsere Hochzeitsfeier in ein paar Monaten, sprachen mein Ehemann und ich über dieses Thema. Ich nahm mir vor mich zum Thema Beischlaf in islamischer Hinsicht zu bilden, aber naja, da war nicht wirklich viel. Ich war  vorsichtig – hatte Angst in verschiedene Quellen zu schauen, denn ich hatte totale Angst davor „unerlaubte Informationen“ zu finden. Eine Freundin von mir gab mir die Weisheit einfach  etwas Öl zu nutzen und alles würde gut werden. Wow, danke.
Also dies ist das was ich gelernt habe:

In einem Artikel las ich folgendem Hadith:

Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden auf Ihm) sagte: „der Beischlaf zählt als Sadaqa“ Da wurde er gefragt: „Oh Gesandter Allahs (s), einer von uns stillt seine Begierde (durch Beischlaf bei seiner Ehefrau) und dafür erhält er eine Belohnung?“ Er sagte: „Seht ihr nicht, dass er sündigt, wenn er sie auf verbotene Weise befriedigt? Und so wird er für die legale Befriedigung (seiner Begierde) belohnt.“ (Sahih Muslim)

Was ist die sonderbare Zutat, die den Beischlaf in Sadaqa umwandelt und eine Sache der Belohnung Allahs daraus macht? Ist es der Gedanke Allah zu dienen, indem man sich selbstlos um den Partner kümmert, die eigenen natürlichen Bedürfnisse und die des Partner auf eine erlaubte und schöne Art befriedigt? Mir war nunmehr klar, dass Sexualität so betrachtet viel mehr bedeutet als der reine körperliche Akt.

Die Schönheit der frischen Ehe

Es gibt keine Lasten, keine Barrieren oder Grenzen. Du springst barfuß ins kalte Wasser in Hinsicht auf Emotionen und Gefühle. Bring dies in euer Schlafzimmer mit ein. Ein Prinzip unserer Beziehung wurde, zumindest erhofften wir das, ab sofort über alles miteinander zu reden, sodass kein Raum für Missverständnisse bleibt. So fragte er bei jedem subtilen oder nicht subtilen Schritt: “Ist das ok? Fühlt sich das gut an?“

„Wow“, dachte ich, „Er liebt mich so sehr, sodass er sogar in einem Akt der Lust und Sehnsucht Sorgen um meine Gedanken und Gefühle macht.“

Und ich würde ihn im Gegenzug bei jeder Intimität fragen: “Ist dies richtig?“
Diese selbstlose Sorge von ihm unterstütze mich dabei seine Fantasien zu erfüllen. Bedeutet dies, dass wir uns gegenseitig nicht enttäuschten? Auf keinen Fall! Wir waren ab sofort nur offen gegenüber diesen Enttäuschungen.
Alhamdulillah, nach über 5 Jahren Achterbahn dieser Ehe und dieser Offenheit half sie uns inniges und tiefes Verständnis für unseren Ehepartner zu empfinden, ohne Sorgen vor untragbare Konsequenzen aufgrund dieser offenheit.
Ich erklärte ihm meine Erziehung und natürlich, da er genau so erzogen wurde, verstand er es. Ich sagte ihm ironischerweise, dass ich beim Beischlaf ignorierte dass er männlich war, da ich Angst hatte als unbeholfener Amateur zu wirken. Eigentlich sprach ich mit ihm als wäre es eine platonische Beziehung. Wie auch immer, war ich bereit zu lernen und das zu tun was ihn befriedigte, während ich ihm erlaubte mit mir genauso alles kennen zu lernen. Dieser Wille kam mit der Zeit und nach dem Beischlaf empfand ich ein gewisses Selbstbewusstsein. Wir übergingen die Stereotype. Wir beide hatten die Erwartung durch Intimität Befriedigung zu geben und ein Teil deines Ehepartners zu sein, indem man Befriedigung von ihm erhält.

Und speziell an die Männer: Wenn eure Frau aus einem konservativen Elternhaus kommt, dann nehmt das zur Kenntnis und akzeptiert das. Es ist nicht so, dass sie nicht will. Es ist vie mehr so, dass sie nie Einblicke hatte in diese Welt der Sexualität und Intimität. Es ist ihr schlichtweg fremd. Also ist es in deinem Interesse mit deiner Frau zu üben und daran zu arbeiten, dass ihr beide diese Welt kennenlernt – und zwar behutsam und verständnisvoll. Du wirst sehen, wenn du ihr zeigst wie wichtig es dir ist, dass sie zufrieden mit dir ist, wird auch sie dir aus Liebe deine Fantasien erfüllen.

Die Angst der frisch Verheirateten

Manche Frauen haben es schwer oder denen ist es gar fast unmöglich zum Höheüunkt zu kommen. Aber es gibt eine andere Art des Orgasmus. Sie brauchen eine gewisse intime Zuwendung, um  diesen Orgasmus zu erlangen. Manche Männer wissen das nicht und stimulieren ihre Frauen nicht an der richtigen Stelle und die Frauen sind zu beschämt oder schüchtern um das anzusprechen. Sie denken sie selbst wären das Problem.

Das bringt sexuelle Frustration für beide Seiten. Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt einen Orgasmus zu haben und Männer fühlen sich genauso unter Druck gesetzt der Partnerin einen Orgasmus zu bringen während des Beischlafs. Anstatt erotisch zu denken, beginnst du dir darüber Sorgen zu machen, was dein Partner über dich denken mag, wie unweiblich du bist oder wie schlimm es wäre zu versagen. Diese sexuelle Sorge ist der Grund der Aufregung der Frau, so wie es an Emotionen gebunden ist und eine Lage des Gemüts. Den Beischlaf zu genießen wird so nun unmöglich sein und es wird auch für beide Partner keine befriedigende, erfüllende Erfahrung mehr sein unter diesen Umständen . Problematisch wird es, wenn es ein zum Teufelskreis wird: Du bist nicht mehr in der Lage etwas zu tun, weil du Angst hast es wäre falsch und dies führt wiederum zu noch mehr Angst.

Wie jede andere Form der Angst, braucht es Arbeit,Geduld und Vertrauen die Angst beim Beischlaf zu überwinden. Die folgenden Tipps könnten hilfreich sein diese zu überwinden:

1. Sprich mit deinem Partner darüber

Mit dem Partner zu reden kann Probleme lösen. Verständnis von deinem Partner wird deine Sorgen verschwinden lassen und dich wohlfühlen lassen. Zusammen Lösungen finden wird euch als Partner näher bringen und eure Intimität wachsen lassen. Gibt euch Komplimente und zeigt Dankbarkeit nachdem Beischlaf. Sag deinem Partner du hattest eine gute Erfahrung mit ihm und nimmst seine stetige Verbesserung im Akt wahr. Das ist wichtig um euer Selbstbewusstsein zu steigern und beim nächsten Mal inspirerter und freier zu wirken.

2. Vermehre die Intimität in anderen Bereichen

Intim sein ist nicht nur eine Sache des Beischlafs. Nicht-sexuelle Aktivitäten gemeinsam zu betreiben kann euch genauso näher zusammenbringen und eure Intimität steigern. Gefühlvoller gegenüber zu sein wird euch definitiv viel wohler fühlen lassen im Bett. Um ein gutes gemeinsames Sexualleben zu führen, musst du dich vertrauensvoll entführen lassen und deine Furcht fallen lassen. Und nicht mehr so verkrampft an die Sache gehen. Dies wird schwierig, wenn du dich nicht sicher fühlst oder dich nicht komplett mit ganzem Herzen hingibst.

3. Übung macht den Meister

Durch mehr Übung, Fehler, Schwierigkeiten und Geduld wirst du langsam lernen es richtig zu machen und in Harmonie mit deinem Partner zu sein.

4. Sport

Es wird dich in deinem Körper wohl fühlen lassen und deine Ausdauer im Bett steigern.

5. Liebe dich selbst mehr

  • Hör auf dich durch deine vorhandenen oder nicht vorhandenen Orgasmen zu identifizieren
  • Hör auf darüber nachzudenken was andere über dich denken könnten
  • Fokussiere dich darauf, was du kontrollieren kannst: deine erotischen Gedanken, Fantasien, Sensationen und Gefühle
  • Es ist OK auch mal keinen Orgasmus zu haben. Genieße jede Art von Befriedigung, die du erlebst.
  • Hör auf deine sexuelle Erfahrung zu bewerten. Nimm es locker, aber sei gleichzeitig mutig genug nach Hilfe zu fragen, wenn es ein Problem gibt.
    6. Besuche einen Arzt, Therapeuten oder Berater
    Dies ist, um dich abzusichern, dass deine Angst nicht wegen deiner Gesundheit oder Medikamentes ist. Eine professionelle Sextherapeutin kann helfen deine Probleme zu verstehen, herauszufinden und eine Lösung zu finden.

Möge Allah Deine Ehe schön machen und die Liebe und die Beziehung zwischen dir und deinem Ehepartner auf allen Ebenen stärken.

Ist echte leidenschaftliche Liebe in der Ehe real?

10 Überlegungen, wenn man den „richtigen“ sucht.

„Ich habe Angst vorm heiraten“, sagte sie. Sie, wie zahlreiche andere Frauen, die sich mir anvertraut haben, dachten, sie stünden damit alleine dar. „Ältere Frauen haben mir immer wieder gesagt, dass ich mein Leben als Single genießen soll, weil die Ehe eine Belastung darstellt. Ich habe noch nie eine harmonische Ehe gesehen. Verheiratete Freundinnen rufen mich an und beschweren sich über ihre Ehemänner und fragen mich nach Rat. Woher soll ich wissen, was ich ihnen sagen soll?! Ich versuche ihnen unterstützend bei Seite zu stehen, aber all diese Gespräche verunsichern mich eher mehr, als dass ich einer ehelichen Beziehung nachempfinden kann. Ich möchte wirklich heiraten, aber ehrlich gesagt habe ich Angst davor, unglücklich zu sein.“ Sie fing an  „Ist es möglich…“, verstummte dann plötzlich und ihre Stimme stockte, „dass harmonische Ehen… Sie wissen, diese Art von Ehen wie in Filmen, wo sie kaum abwarten können sich zu sehen, wo sie wahnsinnig aneinander lieben, existieren? Ist heiße, leidenschaftliche Liebe auch wirklich real?“
Die Essenz ihrer Fragen war dieselbe, mit der auch andere junge Frauen zu mir kamen; ihre natürlichen Wünsche zu heiraten werden oft mit der Angst überschattet, in eine Ehe des Leidens zu geraten. Wo auf der einen Seite wenig bis gar keinen realen Beispielen für leidenschaftliche Ehen vorhanden sind, werden diese Frauen auf der anderen Seite mit romantischen Liebesgeschichten aus Bollywood überschwemmt. Diese jungen Frauen haben sich ständig dieselbe Frage gestellt, „ist es möglich, glücklich in der Ehe zu sein? Ist diese physikalische und emotionale Leidenschaft real?“
Die Antwort? Ja! Ja, es ist möglich. Ja, sie ist real! Wobei es wahrscheinlich problematisch ist, eine wahre Beziehung mit einer gespielten Liebe aus Filmen zu vergleichen. Aber Deine Ehe könnte in der Realität, so Allah will, so manchen Filmcharakter blass vor Neid auf eure feurige, verspielte, emotional faszinierende, physisch flammende Beziehung machen, wenn Du es richtig anstellst.
Eine gute mir bekannte Familien-Therapeutin nutzt Wissen aus der Grundlagenforschung, um die notwendigen Komponenten für solch eine romantische Beziehung zu beschreiben. Sie bezieht sich dabei auf die Forschung des bekannten Psychologen Robert Sternberg. Steinberg hat 7 Formen der Liebe herausgearbeitet und auf Grundlage der Intensität der 3 folgenden Komponenten in einer Beziehung kategorisiert:

  • Leidenschaft
  • Intimität
  • Engagement

Er beschreibt die eine Beziehung, welche alle 3 Faktoren beinhalten, als Form der vollendeten Liebe. Das sei die Liebe, die den Test der Zeit überstehen wird und bei der ein Paar Ruhe findet. Sie hat wohl die Eigenschaft der ehelichen Gemeinschaft, die von Allah im Koran beschrieben wird.

„Und es gehört zu Seinen Zeichen, daß Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (Sure 30:21)

Nun, wenn  diese Art der Ehe wirklich existiert, stellt sich unweigerlich die Frage: „Wie kann eine alleinstehende Person, die solch eine Liebe sucht, dies in ihrem künftigen ehelichen Leben erreichen?“ Der Anfang dieser Antwort liegt darin, sicherzustellen, dass man den richtigen Ehegatten heiratet. Die folgenden 10 Überlegungen könnten Ihnen durch diesen Prozess helfen:

1. Kenne Dich selbst

Kennst Du Deine Prioritäten, Deine allgemeine Lebenseinstellung, Deine eigenen Erwartungen bezüglich der Ehe. Damit bist Du darüber informiert, wie Dein potenzieller Ehegatte auszusehen hat. Frage Dich   selbst: Warum möchte ich heiraten? Was sind meine Bedürfnisse in einer Beziehung? Was sind meine Erwartungen an eine Ehe?
Aber: Verstehe auch, dass die Ehe nicht die Lösung für Deine eigenen Fehler ist, noch wird es die Lösung all Deiner Lebensprobleme sein. Arbeiten an Deiner Entwicklung, ohne dabei von der Ehe zu erwarten, dass sich Dein Leben irgendwie auf mysteriöse Art plötzlich durch sie verändert. Ehe kann eine große Quelle der Unterstützung und eine Ermutigung für die Selbstverbesserung sein, aber wenn wir nicht persönlich jetzt an uns selbst arbeiten, wie können wir erwarten, dass es leichter sein wird, mit dem zusätzlichen Gepäck der anderen Person, die ebenfalls wie du selbst unvollkommen ist?

2. Priorisiere Deine Kriterien.

Erstelle eine Liste über die Kerneigenschaften und Zusatzqualitäten, die Du von Deinem potentiellen Ehepartner erwartest. Bedenke auch, was Du absolut nicht akzeptieren kannst. Wie die bereits erwähnte Familien-Therapeutin rät: „Fokussiere Dich vor allem auf Kerneigenschaften, die Deine Ehe aufleben lassen, oder aber zerstören können. Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie Du Kerneigenschaften von Zusatzqualitäten unterscheiden kannst, frage verheiratete Paare oder Experten, welche Eigenschaften bei einem Ehepartner wirklich essentiell sind und welche „nur“ wünschenswert.“
Sei Dir bewusst, dass einige Kerneigenschaften viel wichtiger für den Erfolg einer Ehe sind, als andere und sei realistisch, wenn Du  an einen potentiellen Partner denkst. Wenn die Person, an die Du denkst, alles hat, außer dem absolut wichtigsten Merkmal Deiner Eigenschaftenliste, dann ist es wahrscheinlich nicht die richtige Person für Dich. Erkenne an, dass sich Deine Liste ändern kann, weil Du Dich als Person entwickelst. Behalte die Liste, damit Du sie jederzeit griffbereit hast, sie überprüfen oder abändern kannst.

3. „Benutze Deinen Verstand vor Deinen Emotionen.“

Ein von der erwähnten Familien-Therapeutin ins Leben gerufener Ausdruck, welcher dabei hilft, den Fokus bei der Suche auf die richtige Person zu lenken, ist: „Benutze Deinen Verstand vor Deinen Emotionen.“ In der Erregung einen Ehepartner zu finden, geraten viele Menschen in eine gewisse Blindheit und sonst so offensichtliche Warnzeichen werden einfach übersehen oder ignoriert. Emotionen haben ihren Platz; aber erlaube Deinen Emotionen nicht, Deine Entscheidung für Dich zu treffen. Benutze Deinen Verstand, um in Erwägung zu ziehen, ob die Person nach logischen Gesichtspunkten der richtige Partner für den Rest  Deines Lebens ist. Aber natürlich muss auch Dein Bauchgefühl stimmen bei dieser Entscheidung. Sei Dir darüber im klaren, dass das richtige Selektieren im Vorfeld deutlich schwieriger ist, als einfach blind einem Gefühl zu folgen und ein Bewusstsein erfordert; lass Dich nicht von deinen Emotionen blind mitreißen, um dann abzustürzen, weil Du realisierst, dass die Person mit der Du lebst, nicht diejenige ist, mit dem Du leben solltest.

4. Verstehe, dass taqwa (Gottesfurcht) allein nicht ausreicht und Kompatibilität Voraussetzung ist.

Denken wir über folgendes nach: Wenn eine gottesfürchtige Person einen Kurs in der Universität besucht, die Kursaufgaben nicht macht und sich nicht auf die Prüfungen vorbereitet, wird diese dann auf wundersame Weise einen guten Abschluss erhalten, weil Sie 5 Mal am Tag betet!? Unwahrscheinlich. Also, wie kann das für die Ehe gelten?
Taqwa alleine ist nicht genug; man muss Charakterlich und vom Lebensstil auch zueinander passen. Die Ehe von Zaid und Zaynab, beide unglaubliche Gefährten des Propheten Muhammad (Segen und Frieden auf ihm), welche uns alle mit ihrer Gläubigkeit und gutem Charakter übertroffen haben, ist ein Beispiel von zwei bedeutenden Menschen, die sich aufgrund ihrer Inkompatibilität haben scheiden lassen. Also grundsätzlich stellen sich folgende Fragen: Gehen unsere Erwartungen denselben Weg? Religiös betrachtet, sind unsere Perspektiven und Ziele gleich ausgerichtet? Ist die Person gut für meine Entwicklung? Für meine geistige, psychische, emotionale Gesundheit und auch Sicherheit? Kommt Elternschaft in Frage? Teilen wir Interessen? Ist er gut für meine Familie?

5. Erkenne die Bedeutung der vorehelichen Beratung mit einem qualifizierten Ehe- und Familientherapeuten und stelle Fragen.

Sprich mit einem professionellen Therapeuten; kein Imam (es sei denn, er ist fachlich qualifiziert); kein Freund (es sei denn, er ist Eheberater). Jemand, der durch eine profesionelle Ausbildung und Erfahrungen weiß, wie man in diesen Angelegenheiten beratend hilft, Dich auf wichtige Punkte aufmerksam machen kann und dir hilft Strategien zu entwickeln, so dass Du sicherstellen kannst, die richtige Person zu heiraten und so Gott will, dass der Reiz und die Anziehung auch nach Jahren der Bindung nicht verloren gehen.
Stelle  Fragen, die Dir helfen werden, Deine Perspektive auf das Leben und die Ehe zu verstehen.

6. Bereite Dich auf Dein Leben vor und nicht auf ein einmaliges Ereignis.

Oftmals konzentrieren sich beide Parteien voll und ganz auf die Vorbereitung ihrer Hochzeit, investieren Zeit und Geld für die ersten gemeinsamen Stunden ihres gemeinsamen Lebens, jedoch ohne Investition zur Vorbereitung auf ihr gemeinsames Leben. Voreheliche Beratung, Gespräche mit Ehepaaren, Bücher lesen und erforschen, was eine Ehe ausmacht, sind hoch effektive Maßnahmen, denen nur wenige Paare nachkommen.
Lesen Sie Bücher über die Kommunikationsstile von Frauen und Männern, über die Liebessprache, über erfolgreiche Ehen und die Erfüllung der Bedürfnisse von einander.

7. Beobachten Sie das Potential und halten Sie die Dinge flach.

Beobachte die Reaktionen, wenn die Person frustriert ist oder verlegen; es ist möglich, dass unbewusste Reaktionen zu Gewohnheiten werden, die sich eingependelt haben. Wenn es da etwas gibt, was Du  nicht magst, erwarte nicht, dass sich das von allein ändert. Du kannst ihn dennoch heiraten, wenn Du ihn genug magst. Sei jedoch sehr vorsichtig, wenn der Alltag der Ehe eintrifft kann manches mehr stören als zuvor angenommen und das hätte das am Anfang eine Warnung sein können, die Du ignoriert hast.
Wenn Du an jemanden denkst, den Du heiraten möchtest, schreie es nicht sofort in die Welt hinaus. Poste es nicht auf Facebook und erzähle es nicht beliebig vielen Leuten in oberflächlichen Gesprächen. Halte Deine Angelegenheit privat, mit Ausnahme derjenigen, die in diesem Prozess von Bedeutung sind. Schütze Dich selbst und die Person vor unnötigem Geschwätz. Das ist eine ernste Angelegenheit; akzeptiere und schütze die Privatsphäre des anderen. Ferner stehst Du dann auch nicht unter dem gesellschaftlichen Druck, wenn Du dich doch noch umentscheiden solltest. Denn wenn Du erstmal der halben Welt erzählt hast, dass Du endlich den Partner für’s Leben gefunden hast, kann es im Nachhinein vielleicht schwerer sein, wenn Du Deine Meinung änderst.

8.  Beachte die Rolle Deiner Eltern und treffe gleichzeitig Deine eigene Entscheidung.

Eltern spielen verschiedene Rollen, oft basierend auf ihrem eigenen Hintergrund und dies kann Deiner Ehe helfen oder auch hinderlich sein, erfolgreich zu sein. Denke an die Rolle Deiner Eltern in deinem leben. Welchen Teil nehmen sie in deinem Alltag ein und wie groß wird ihr Einfluss auf Dein eheleben sein. Bespreche das offen mit deinem potentiellen Ehepartner beim Kennenlern-Prozess und befrage ihn auch bezüglich seiner Eltern. Werdet Ihr mit Eltern zusammen leben? Wie ist die Beziehung zu den Eltern? Wo liegen die Prioritäten und die Deines Partners in Bezug auf die Eltern? Antworten auf diese Fragen können Dir helfen zu entscheiden, ob eine gemeinsame Zukunft aussichtsreich ist.
Erinnere Dich: Du bist diejenige, die die Entscheidung für den Rest Deines Lebens trägt. Stelle sicher, dass Du vollends die richtige Wahl triffst; Druck von den Eltern oder anderen kann zu einem Leben des Elends führen, wenn Du dich diesem blind ergibst. Ergreife die Verantwortung und und treffe Deine eigene Entscheidung, unabhängig davon wie andere mit ihrer Entscheidung umgehen werden. Denn am Ende lebst Du mit der jeweiligen Person und teilst Dein Leben mit ihr. Die Zustimmung des Wali zur Ehe bleibt davon natürlich unberührt, aber kein mündiger Muslim muss jemanden heiraten, den er oder sie nicht will.

9. Äußere Deine Erwartungen.

In wirtschaftlich immer unsichereren Zeiten und die sich immer wieder wandelnden Rollenverständnis von Mann und Frau ist es erforderlich über Bildungs- und Berufsfragen  offen zu sprechen. Welche Aufgaben sollen spezifisch für den  den Mann, welche für die Frau und welche für beide als Team? Wer wird arbeiten, oder beide? Wie steht es um die Erziehung der Kinder? Für wie viele Jahre wird einer/werden beide den anderen bei der Berufsausbildung/Job unterstützen? Wer ist für welche Arten der Hausarbeit verantwortlich? Eine klare Besprechung dieser Fragen kann Spannungen oder unausgesprochenen Erwartungen im Vorfeld lösen.

10. Das Istikhara-Gebet (vor wichtigen Entscheidungen um Rat suchen).

Wende Dich zu Gott bei Deiner Entscheidung. Vielleicht hast Du noch kein offensichtliches Zeichen gesehen, ob es sich um die richtige Person handelt, aber Du fühlst es womöglich im Herzen. Jenseits aller nervösen Gefühle der Aufregung kann Dein Herz Dich über Dein Gefühl und Dein Vertrauen in dieser Angelegenheit informieren.
Jemand hatte einmal durchweg das Gefühl, dass die Person, mit der sie verlobt war, der Falsche sei. Sie sprach mehrmals mit ihren Eltern und erzählte ihnen von ihren Bedenken, doch die Eltern überzeugten sie, weil er dem Anschein nach alles hatte, was sie suchte. Sie konnte nicht genau festmachen, warum sie so fühlte und auch versuchte sie, sich davon zu überzeugen, dass ihre Eltern Recht haben. Innerhalb eines Jahres realisierte sie den „frommen“ und „guten“ Charakter, von dem jeder ausging und sah wie er sich wirklich entwickelte. Sie ließen sich scheiden und ihre Eltern fühlten sich schuldig, dass sie ihre vorehelichen Sorgen auf die leichte Schulter nahmen. Ihr Herz hatte zu ihr gesprochen, nachdem sie im Istikhara-Gebet um Rat bat, aber sie hatte die Botschaften aufgrund des Druckes ihrer Eltern ignoriert. Höre auf Dein Herz und vertraue Deiner Intuition.

Letztendlich ist Liebe und Leidenschaft nur ein Aspekt der Ehe und es ist nicht unbedingt ein obligatorischer Bestandteil einer glücklichen Ehe. Viele Paare haben keine „leidenschaftliche“ Liebe und sie sind mehr als glücklich und erfolgreich in ihren Ehen.
Darüber hinaus ist es möglich, dass selbst wenn eine Person den gesamten Prozess der Wahl des Ehepartners mit Weisheit, Tiefe und Forschung betreibt, sie sich nicht glücklich in der Ehe wiederfindet und sich womöglich scheiden lässt.
Die Wahl der richtigen Person hilft deutlich bei der Vorbereitung, wenn es darum geht, eine pikant romantische, mitfühlende Beziehung aufrecht zu erhalten. Wenn beide Partner danach suchen, ist es der erste Schritt von vielen, der in die richtige Richtung geht.
Bespreche so Dein eigenes Ideal einer Ehe ehrlich mit Deinem potentiellen Ehepartner und mache aus, welche Schritte nötig sind, damit gemeinsam dieser Weg gegangen werden kann.
Die Kraft, die man für eine glückliche Ehe investiert, kann anfangs stärker sein, aber sie hat das Potential, mit Gottes Segen und dem Bemühen beider Ehepartner noch stärker zu werden. Leidenschaftliche und nachhaltige Liebe kann in der Ehe real sein, jedoch benötigt es Arbeit, Wachstum und Opfer von Anfang bis Ende.

Möge Allah Deine Ehe segnen!

Kurzgeschichte: Liebe, bevor es zu spät ist

Als ich an diesem Abend nach Hause kam servierte meine Frau das Abendessen. Ich hielt ihre Hand und sagte: „Ich hab dir etwas zu sagen.“ Nachdem sie mir zugehört hatte, setzte sie sich hin und aß schweigend weiter. Ich sah die Angst und den Schmerz in ihren Augen, auch wenn es ein stummer Schmerz war. Sie ahnte wohl, worum es ging. Sie kannte mich viel zu gut, als dass ich es vor ihr hätte verstecken können. Doch auf einmal wusste ich nicht, wie ich meinen Mund öffnen sollte. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos, aber ich musste sie wissen lassen, worüber ich nachdachte. Ich wollte die Scheidung. So begann ich das Thema langsam und vorsichtig anzuschneiden.
Sie schien nicht sehr erregt über meine Worte, stattdessen fragte sie mich behutsam und mit ruhiger Stimme: „Warum?“ Ich ignorierte ihre Frage und dies machte sie wütend. Sie war plötzlich außer sich, warf ihre Gabel weg und schrie mich an: „Du bist kein Mann!“

Diese Nacht sprachen wir nicht mehr miteinander. Sie weinte und ich wusste, dass sie wissen wollte, was unserer Ehe widerfahren war. Aber ich konnte ihr keine zufriedenstellende Antwort geben; Mein Herz hatte sich Leila zugewandt. Meine Frau liebte ich nun nicht mehr. Ich empfand nur noch Mitleid für sie!

Getrieben von sehr starken Schuldgefühlen verfasste ich eine großzügige Scheidungsvereinbarung, in der festgehalten war, dass sie unser Haus, unser Auto und 33% der Anteile meiner Firma bekommen wird. Sie starrte es an und zerriss es voller Abscheu in ihren Augen in Stücke.

Die Frau, die 10 Jahre ihres Lebens mit mir verbracht hatte, war nun eine Fremde. Es tat mir Leid um all die investierte Zeit, Energie und Lebenskraft, aber ich konnte nicht zurücknehmen, was ich bereits gesagt hatte, denn ich hatte mich nun so innig in Leila verliebt. Am Ende weinte meine Frau bitterlich laut vor mir, was ich auch erwartet hatte zu sehen. Für mich war ihr Weinen eine Art Erlösung. Der Gedanke der Scheidung, der mich bereits seit Wochen begleitet hatte, war für mich jetzt klarer und offizieller.

Am nächsten Tag kam ich sehr spät nach Hause und fand sie am Tisch sitzend etwas schreiben… Ich hatte kein Abendessen, aber ging trotzdem direkt ins Bett und schlief nach einem langen Tag, den ich mit Leila verbracht hatte, sehr schnell ein. Als ich wach wurde, saß sie immer noch am Tisch und schrieb. Ich kümmerte mich  nicht darum, drehte mich wieder um und schlief weiter.

Am nächsten Morgen präsentierte sie mir ihre Scheidungsbedingungen: Sie wollte nichts von mir – nicht einmal einen einzigen Euro, aber sie verlangte einen Monat voller Beachtung bevor die Scheidung vollzogen werden würde. Sie bat darum, dass wir in diesem einen Monat uns anstrengen das Leben so normal wie möglich zu leben. Ihre Gründe waren simpel: unser Sohn hatte in einem Monat seine Einschulung und sie wollte ihn nicht mit unserer zerbrochenen Ehe belasten.

Das war für mich nachvollziehbar. Aber sie wollte noch mehr… Sie bat mich darum mich zu erinnern, wie ich sie an unserem Hochzeitstag auf Händen in unser Brautzimmer trug. Sie bat mich darum, dass ich sie diesen Monat lang, jeden Tag am Morgen, sie genau so von unserem Schlafzimmer zur Haustür tragen soll. Ich dachte mir sie werde wohl allmählich verrückt. Aber dennoch akzeptierte ich ihre merkwürdige Bitte um die letzten gemeinsamen Tage erträglicher zu machen.

Ich teilte Leila die Scheidungsbedingungen meiner Frau mit… Sie lachte laut auf und meinte das wäre absurd: „Egal welche Tricks sie macht… Sie muss die Scheidung akzeptieren. Du gehörst nicht mehr ihr sondern bist nun mein Mann.“, sagte Leila verächtlich.

Meine Frau und ich hatten seit dem ich den Scheidungswunsch ausgesprochen hatte mit niemandem unserer Verwandtschaft oder unseren Freunden mehr Kontakt. Als ich sie dann den ersten Tag trug, wirkten wir beide sehr plump und es fühlte sich eigenartig an. Unser Sohn klatschte hinter uns: „Papa hält Mama in seinen Armen“, rief er freudig und voller Liebe und Begeisterung. Seine Worte lösten einen heißen Schmerz in meiner Brust aus. Wir waren seit dem er denken kann seine Eltern, ein Team, welches immer gemeinsam für ihn dar war. Vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer, dann zur Haustür, ich trug sie über 10 Meter auf meinen Armen. Sie schloss ihre Augen und sagte sanft: „Sag unserem Sohn nichts über unsere Scheidung.“ Ich nickte und fühlte mich etwas traurig. Ich setzte sie draußen vor der Tür ab und Sie ging, um auf den Bus zur Arbeit zu warten. Ich fuhr allein zur Arbeit.

Am zweiten Tag fiel es uns etwas leichter. Sie lehnte sich an meine Schulter und ich konnte den Duft ihrer Bluse riechen. Ich realisierte, dass ich diese Frau seit einer langen Zeit nicht mehr genau angeschaut habe. Ich realisierte, dass sie nicht mehr die Jüngste war. Da waren kleine Falten in ihrem Gesicht und ihr Haar ergraute langsam! Unsere Ehe hatte an ihr Zeichen hinterlassen und für eine Minute wunderte ich mich, was ich ihr angetan hatte.

Am vierten Tag, als ich sie hochhob, fühlte ich einen Hauch von Intimität und Nähe zurückkehren: Dies war die Frau, die mir 10 Jahre ihres Lebens geschenkt hatte!

Am fünften und sechsten Tag, realisierte ich, dass das warme Gefühl der Intimität und Nähe weiter zwischen mir und meiner Frau wuchs, aber ich sagte Leila nichts davon. Meine Frau zu tragen wurde im Laufe des Monats immer leichter. Vielleicht lag es daran, dass die tägliche Widerholung wie ein Training wirkte, welches mich stärker machte.

Eines Morgens suchte sie ihre Kleidung aus dem Schrank heraus. Sie probierte viele Teile an, aber fand kein passendes. Dann seufzte sie: „Alle meine Kleider sind mir zu groß geworden!“ In diesem Moment wurde mir erst bewusst, richtig bewusst, wie sehr sie abgenommen hatte und wie dürr sie geworden war in diesen Tagen. Dies war der Grund, weshalb das Tragen immer einfacher wurde.
Diese Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Sie hat so viel Schmerz und Bitterkeit in ihrem Herz und ihr Abnehmen ist wohl nur ein äußeres Symptom. Wenn diese krasse Veränderung äußerlich passiert, wie viel Leid trägt sie dann wohl innerlich. Unbewusst griff ich nach ihr und streichelte ihren Kopf.

Unser Sohn kam in dem Moment und sagte: „Papa, es ist Zeit Mama nach draußen zu tragen.“ Für ihn wurde es zu einem essentiellen Teil seines Lebens, seinen Vater zu sehen wie er seine Mutter nach draußen trug. Meine Frau gestikulierte meinem Sohn näher zu kommen und umarmte ihn innig… Ich drehte mein Gesicht weg, denn ich hatte Angst mich doch in letzter Minute um zu entscheiden.  Dann trug ich sie auf meinen Armen, lief vom Schlafzimmer, durch das Wohnzimmer in den Flur. Ihre Hände umarmten meinen Nacken ganz sanft und so natürlich. Ich hielt ihren Körper sehr fest; es war genau wie unser Hochzeitstag. Aber ihr viel zu leichtes Gewicht machte mich traurig.

Am letzten Tag, als ich sie in meinen Armen hielt war jeder Schritt für mich sehr schwer. Unser Sohn war schon in der Schule. Ich hielt sie fest und sagte zu meiner Frau: „Ich habe nicht bemerkt, dass unserem Leben die Intimität und Nähe fehlte. Die Wärme verschwand schleichend, ohne dass ich dies bemerkte.“ Und ich wusste nun ohne jeden Zweifel, dass ich es tun muss.

Ich fuhr zum Büro, sprang schnell aus dem Auto ohne die Tür zu schließen. Ich hatte Angst nur die kleinste Verzögerung könnte mich dazu bringen meine Entscheidung zu ändern… Ich lief hoch. Leila öffnete die Tür und ich sagte ihr gerade heraus: „Verzeih mir, Leila, ich will die Scheidung nicht mehr. Ich bleibe bei meiner Frau.“ Sie schaute mich verblüfft an, berührte meine Stirn und fragte ungläubig. „Hast du Fieber?“ Ich wischte ihre Hand von meiner Stirn und antwortete: „Verzeih mir, Leila. Ich werde mich nicht scheiden lassen. Mein Eheleben war vielleicht langweilig, weil wir vergessen hatten 1000 Kleinigkeiten in unserem Leben und zwischen uns zu schätzen und nicht weil wir uns gegenseitig nicht mehr liebten. Jetzt realisierte ich erst, dass seitdem ich sie an unserem Hochzeitstag in mein Haus getragen habe ich sie halten soll, muss und will, bis der Tod uns entzweit.“ Leila schien erst jetzt alles zu realisieren und dass dies mein voller ernst war. Sie gab mir eine schallende Ohrfeige und schlug die Tür zu, bevor sie in Tränen ausbrach. Ohne  zu zögern oder auch nur eine Sekunde an meiner Entscheidung zu zweifeln lief runter und fuhr weg.

Auf dem Weg hielt ich am Blumenladen und bestellte einen großen Blumenstrauß für meine Frau. Die Verkäuferin fragte mich, was sie in die Karte schreiben soll. Ich lächelte und schrieb: „Prinzessin, ich werde dich jeden Morgen auf Händen tragen bis der Tod uns scheidet. Danke, für alles.“

An dem Abend kam ich nach Hause mit Blumen in meinen Händen und einem Lächeln auf meinem Gesicht, ich lief hoch, nur um meine Frau im Bett vorzufinden. Was ich sah lies das Blut in meinen Adern gefrieren. Sie war Tod.

Die Moral dieser Geschichte:

Es sind die Kleinigkeiten eures Lebens, um die es wirklich in einer Beziehung geht.  Es geht darum das Positive zu schätzen und die kleinen Fehler des Partners zu akzeptieren. Es ist nicht das Haus, das Auto, der Besitz oder das Geld auf der Bank, was wirklich zählt. Es ist auch nicht das Aussehen oder die Aufregung. Was wirklich zählt, ist das gemeinsam Erlebte, die Liebe, die Treue, der Zusammenhalt, die Kinder und die Familie. Materielles kann ein Nährboden sein für Freude und Glück, jedoch sind sie selbst nicht die Ursache von Freude und Glück im Leben oder gar gleichbedeutend damit. Deshalb finde Zeit für deinen Ehepartner und tue die kleinen Dinge, die eure Liebe weiter aufbauen und nähren. Habt eine glückliche Ehe! Diese entsteht nicht von alleine, sondern bedarf ständiger Arbeit. Möge Allah, der majestätische, euch helfen!

Der Umgang mit Familienproblemen auf islamische Art und Weise

SubhanAllah (Alles Lob gebührt Allah)

Ich komme nicht drumherum, darüber nachzudenken, wie wir uns alle die perfekte Familie wünschen: dass jedes Familienmitglied gottesfürchtig ist, die Eltern die Rechte ihrer Kinder erfüllen und umgekehrt, eine Harmonie zwischen den Geschwistern besteht, die Ehe  sehr wenig Konflikte und viele Glücksmomente hat und die Kinder wunderbar gehorsam sind. Allerdings bezweifle ich, dass solch eine Familie auf dem Planeten existiert, wobei es es zweifellos einige Familien gibt, die sehr harmonisch und glücklich leben. Sie sind miteinander eng durch Liebe und Zuneigung verbunden. Möge Allah (subhanahu wa taʿala – gepriesen und erhaben sei Er) solche Familien bewahren. Die Wahrheit ist jedoch, dass die meisten von uns Konflikte und Streit innerhalb unserer Familien haben; mit unseren Eltern, Geschwistern, Cousins, Ehepartnern, Kindern, Verschwägerten usw..  Einige dieser Konflikte sind unbedeutend, während andere von ihnen Spuren und Traumas hinterlassen haben und das Leben vieler auf den Kopf gestellt haben.  Jedoch denke ich, dass es notwendig ist 3 Tatsachen zu realisieren und zu verinnerlichen, um  Zufriedenheit zu erlangen und keine unrealen Vorstellungen vom  Familienleben zu haben:

  1. JEDE Familie hat ihre eigenen Probleme.
  2.  Wahre, vollkommene Glückseligkeit und Zufriedenheit untereinander ist dem Paradies vorbehalten und nicht dem Leben auf dieser Welt.
  3.  Selbst innerhalb unserer islamischen Tradition finden wir zahlreiche Beispiele von großartigen Menschen, die mit vielen Sachen umgegangen waren.

Betrachte die folgenden Beispiele:

Konflikte mit den Eltern

  • Der Prophet Ibrahim (ʿalayhi assalam – Friede sei auf Ihm), der ein großartiger Mann gewesen war, wurde von seinem eigenen Vater bedroht, als er ihm die Botschaft des Islams predigte. Nicht nur seine Gemeinschaft leugnete ihn, sondern auch sein eigener Vater. Stell dir seinen Schmerz darüber vor.

Geschwister- und Kinderprobleme

  • Qabil war eiferüschtig auf seinen Bruder Habil und ermordete ihn schließlich. Dies waren die allerersten Söhne unseres gemeinsamen Vorfahrens Adam (as). Stell dir die Tragödie eines Mordes innerhalb einer Familie und den Verlust eines Kindes für Adam (as) und Hawa (as) vor.
  • Die Brüder von Yusuf (Josef) (as) planten heimlich ihn völlig loszuwerden. Sein Vater Yaqub trauerte jahrelang um den Verlust seines Sohnes und bei seiner letztendlichen Rückkehr, empfanden die Brüder von Yusuf (as) Reue für das, was sie getan haben. Stell dir eine Trauer vor, die dir eine Blindheit verursacht, genauso wie es Yaqub (as) widerfahren ist. Nicht nur das, sondern auch, dass Yusuf (as) einer Linie von Propheten abstammte (Yusuf der Sohn von Yaqub, der Sohn von Ishaq, der Sohn von Ibrahim (as)) und noch immer nicht vor solch einer Tragödie in seiner Familie geschützt war.Musa (as) war wütend auf seinen Bruder Harun (Aaron) (as), als er zurückkehrte um die Kinder Israels, die ein Kalb anbeteten, wiederzufinden.  Er zerrte ihn  sogar  seinen Kopf hoch, wie es in Surta al-A´raf erwähnt wird.
  • In Surat al-Kahf lernen wir von der Geschichte von Musa (as) mit al-Khidr, der göttlich inspiriert war, das Leben eines Kindes zu nehmen, weil das Kind eine fitnah (Prüfung) für die rechtschaffenen  Eltern sein könnte. Natürlich brachte sie ihre Rechtschaffenheit nicht zu einem einfachen und perfekten Familienleben, sie erlitten die härteste Prüfung,  die sie als Eltern und Paar durchmachen müssten – den Verlust ihres Kindes.

Eheliche Probleme

  • Sowohl Ibrahim (as) und seine Ehefrau Sara als auch  Zakariyya (as) und seine Ehefrau hatten Probleme gehabt, ein Kind zu empfangen. Aasiya, die Frau des größten Tyrannen Firʿaun, brachte Musa (as) zu sich nach Hause, nachdem sie nicht fähig war, ein eigenes Kind zu haben.
    Maryam (as) brachte Isa (as) alleine und ohne die Unterstützung der Gemeinde oder eines Ehegatten zur Welt. Stell dir vor, wie wir heute solche Mütter behandeln.
  • Sowohl Lut (as) und Nuh (as) wurden verraten und wurden von ihren Ehefrauen ohne Unterstützung allein gelassen.  Sie waren Propheten und hatten dennoch Probleme in ihrer Ehe.
  • Aasiya wurde von ihrem Ehemann schwer misshandelt und verfolgt, nur weil sie  ihren Glauben an Allah verkündete.

Unser großartigstes Beispiel

  • Der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihm) verlor seinen geliebten Onkel Abu Talib bevor er den Islam annahm
  • Er verlor viele seiner Kinder als Säuglinge, Kinder und Erwachsene.
  • Er verlor seine Frau Khadija, die er von ganzem Herzen liebte und trauerte über ihren Verlust tief.
  • Der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihm) hatte auch Konflikte in seiner EheDies ist nur ein winziger Bruchteil der Beispiele über Familienangelegenheiten, die wir aus unserer eigenen islamischen Traditionen beziehen können. Was noch unfassbarer ist, ist, dass die oben erwähnten Persönlichkeiten trotz ihrer Schwierigkeiten weit gottesfürchtiger und aufrichtiger gegenüber Allah (swt) waren als wir es jemals sein könnten.
    Bedenke, dass ihre Gottesfürchtigkeit kein Leben voller Bequemlichkeit und Perfektion bedeutete – keinesfalls! Stattdessen wurden sie mit Dingen getestet, die mich und dich heutzutage in die Knie zwingen würden. Denn Allah (swt) teilt uns mit, dass er keiner Seele mehr auferlegt, als sie zu leisten vermag. Indem er sie mit solchen Prüfungen testet, wusste der Allmächtige, dass sie fähig waren, gereinigt und mit vergebenen Sünden [von dieser Situation] herauszukommen, inshaAllah.
    Was ist nun mit dir und mir?
    Ich betone, dass Familienprobleme unvermeidbar sind. Schau nicht auf das Leben anderer, um vor deinen eigenen Problemen zu fliehen. Realisiere, dass Allah (swt) dich in diesen Umständen, in den du bist, gesetzt hat, weil Er (swt) weiß, dass du sie bewältigen kannst.
    Meinerseits habe ich festgestellt, dass Familienkonflikte garantiert vorkommen. Obwohl es  keineswegs einfach ist, war mein Hauptanliegen stets gewesen, dies möglichst würdevoll zu bewältigen und zu überstehen. Unsere spirituelle Entwicklung und Reinigung ist genau mit diesen Momenten verbunden, in welchen wir in Steit und Konflikten innerhalb der Familie Kontra geben oder „zurückschießen“ wollen und es aber nicht tun. Oder wenn wir von einem Familienmitglied betrogen wurden und auf Rache verzichten. Es ist sicherlich nicht einfach, insbesondere dann nicht wenn wir in unentwegt idealisierte Vrstellungen eines perfekten Familienlebens vor unseren Augen haben. Durch Fernseher, Werbungen, soziale Netzwerke und andere Formen von Medien, wir sind überschwemmt von falschen Trugbildern, die uns perfekte und stets glückliche Familien zeigen, die es in dieser absoluten Form nicht gibt. Konflikte, Probleme und traurige Phasen gehören zu jedem Leben und jeder Familie dazu.
    Die Wahrheit ist, dass wir alle mit diesen Dingen zu tun haben. Unsere großartigsten Vorfahren mussten sich auch mit Problemen beschäftigen und mit ihnen umgehenm und wir sind sicherlich auch nicht davor geschützt solche Erfahrungen zu machen. Das Entscheidende ist also, wie gehst du mit diesen Dingen um? Mit Huld oder Härte? Mit Akzeptanz oder Verbitterung? Mit Entschlossenheit oder Chaos? Bedenke die folgenden Verse:

„Meinen die Menschen, daß sie in Ruhe gelassen werden, (nur) weil sie sagen: „Wir glauben“, ohne dass sie geprüft werden?“ (Qurʾan 29:2)

Und Allah (swt) weiß es am Besten.

Sage ich meinen Eltern, dass ich meine Cousine nicht heiraten möchte?

Frage:

Ich bin verlobt, aber es hat weder für die erwartete Aufregung, Angst noch für Vorfreude bei mir gesorgt. Ich hatte wachsenden Pessimismus, Zweifel und Sorgen gehabt, weil mein Eltern um die Hand meiner Cousine angehalten haben. Anfangs habe ich mich dazu verpflichtet gefühlt, aber je mehr ich über meine Zukunft mit ihr nachdenke, desto mehr Zweifel kommen mir auf.
Ich mache mir sorgen, weil ich in Kanada geboren und aufgewachsen bin, meine Cousine aber in Pakistan.
Die kulturellen Unterscheide, besonders aber die sprachlichen werden eine große Hürde sein, da mein Urdu sehr schlecht ist.
Ich habe keine Zweifel, dass meine Cousine eine gute Ehefrau wäre, trotzdem denke ich persönlich dass ich besser zu einer Schwester passen würde, die ebenfalls in Kanada oder den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist.
Meine Schwester hat eine Scheidung mit ihrem Exmann hinter sich, der in Pakistan gelebt hat. Mein Problem ist, aber, dass mein Vater sehr angetan von meiner Cousine ist und durch die Scheidung meiner Schwester, welche ihn wie ein Schlag getroffen hat, hab eich jetzt das Gefühl, dass ich keine andere Wahl habe als „Ja“ zum Wunsch meiner Eltern zu sagen.
Manchmal fühle ich mich sehr schuldig.
Bin ich zu selbstsüchtig, wenn ich jemanden heiraten möchte, den ich nach meinen Wünschen selbst wähle?
Erzähle ich meinen Eltern meine Wünsche und riskiere dabei die Beziehung zwischen meiner Mutter und ihrem jüngeren Bruder zu zerstören, wenn ich mich der Ehe verweigere?

Antwort:

Es ist offensichtlich, dass du deine Cousine nicht heiraten möchtest und du dich aus Respekt vor deinen Eltern von ihnen unter Druck gesetzt fühlst es zu tun.

Der Respekt, den du vor deinen Eltern hast ist eine edle Eigenschaft.

Wenn es jedoch um Ehe geht, sollte man niemals jemanden heiraten, nur um anderen einen Gefallen zu tun. Die Ehe ist eine ernsthafte Bindung und Vereinbarung.

Der Konflikt zwischen sich den Ehepartner selbst aussuchen zu wollen und den Eltern gefallen zu wollen, kann durchaus sehr schwer sein.

Wenn du sehr stark das Gefühl hast, dass du jemanden mit dem gleichen kulturellen Hintergrund bevorzugst, und jemanden, der Englisch als Muttersprache spricht, dann sind das wichtige Eigenschaften für dich, die du in einem potentiellen Ehepartner finden solltest.

Ignoriere nicht die Warnzeichen, die du in deiner derzeitigen Verlobung wahrnimmst.

Dein Beschluss, dass du nicht zu deiner Cousine passt, bedeutet nicht, dass etwas nicht mit deiner Cousine stimmt. Es bedeutet nur, dass sie möglicherweise nicht die richtige Person für dich ist.

Manchmal müssen wir im Leben schwere Entscheidungen treffen, die nicht jeder verstehen kann.

Du kannst deinen Eltern Ehre erweisen, indem du ehrlich zu ihnen bist was deine Bedenken betrifft.

Ehrlich darüber zu sein, wie du dich heute fühlst, wird dich und deine Familie vor viel Herzschmerz in der Zukunft bewahren.

Du kannst auch am Beispiel deiner Schwester lernen, wenn es darum geht die Entscheidung zu treffen, welche am besten für dich ist.

Selbst wenn deine Eltern jetzt mit deiner Entscheidung unglücklich sind, werden sie dich für deine Ehrlichkeit und Selbstreflexion respektieren.

Schließlich musst du persönlich Verantwortung für die Entscheidungen, die du in deinem Leben triffst, Verantwortung übernehmen und kannst andere nicht für die Konsequenzen verantwortlich machen.

Vertraue deinem Herzen. Bete das Istakhara-Gebet (ein Gebet, welches hilft Entscheidungen zu treffen) und mach Du’a (Bittgebete) zu Allah, um deinen Weg zu erleuchten.

Möge Allah Dir helfen eine gute Entscheidung zu treffen.

4 Ehe-Fallen für muslimische Konvertitinnen und wie man diese umgeht

Wenn man sich mit Menschen unterhält, die aus einer anderen Glaubensrichtung ohne Ehepartner zum Islam übergetreten sind und die danach auf der Suche nach einem Ehepartner sind, kann man viel aus ihren Erfahrungen lernen. Denn für den Konvertiten, insbesondere für die konvertierte Muslima, ist es mit einigen Schwierigkeiten und Herausforderungen verbunden einen geeigneten Ehepartner zu finden und letztlich auch zu heiraten. Der folgende Artikel ist keineswegs eine Aufzählung all dieser Schwierigkeiten sondern viel mehr die vier häufigsten Gefahren, in die man bei der Ehepartnerwahl als Konvertiten fallen könnte.

1. Falle: Der inkompetente Wali (Heiratsvormund)

Eine Bedingung für die Gültigkeit der Ehe ist nach islamischen Recht, dass die Ehefrau durch einen Wali (Heiratsvormund) vertreten wird. Dieser Wali ist in der Regel der Vater der Braut oder ein anderes männliches Mitglied der Familie. Da die Familienangehörigen der Konvertitinnen oftmals nicht-Muslime sind, übernimmt ein Mitglied der Gemeinde, oft der Imam der Moschee, oder ein Ansässiger prediger mittleren Alters die Heiratsvormundschaft für die Braut. Meistens sind die Personen, die die Stellung als Wali übernehmen, weder in dem Land der Konvertitin geboren noch aufgewachsen, sondern sind wie der Großteil unserer Gemeindemitglieder mittleren Alters, als Immigrannten erst im fortgeschrittenem Alter nach Deutschland eingewandert. Viele Konvertitinnen haben das Gefühl, dass ihr Wali ihre Aufgabe nicht ernst nehmen würden und vielleicht sogar garnichts mit der Ehe und den möglichen Problemen zu tun haben möchten. Jedoch sind sie, von einer ernsten Rolle als Wali, wie es ein Vater für seine leibliche Tochter wäre,  oftmals Meilenweit entfernt.
Der Islam sieht für den Wali die Stellung des Beschützers und Vertreters der Interessen der Braut vor. Er soll auch verhindern, dass sie einen Mann heiratet, der nicht mit ihr kompatibel ist oder sie ausnutzt. Jedoch sollte man nun, die Schwierigkeit, diese Aufgaben verantwortungsvoll aufzunehmen, bedenken, wenn der Wali weder die Braut und ihre Eigenschaften kennt noch in der selben Kultur aufgewachsen ist wie die Braut. Wie man sieht, wird es hier selbst für den gut-gewillten und engagierten Wali einer Konvertitin ziemlich schwer.
Wie bereits erwähnt, ist normalerweise der Vater der Braut auch ihr Wali und natürlich liegt das auch nahe, denn ihm liegt am Meisten am Wohlergehen seiner Tochter, kennt ihre Persönlichkeit und ihre Bedürfnisse am Besten und dementsprechend wird er auch jeden Anwärter genauestens unter die Lupe nehmen, bevor er seine Tochter mit ihm verheiratet. Eine Konvertitin, da ihre männlichen Verwandten als Nicht-Muslime für die Position des Walis ausgeschlossen sind, wird warscheinlich einen vollkommen fremden Wali haben. Vielleicht einen Türken, einen Araber oder auch jemanden aus Süd-Asien, der vielleicht unzureichende Deutsch-Kenntnissse besitzt, die kulturellen Nuancen dieser Gesellschaft nicht versteht und außerdem auch nicht die Persönlichkeit und Bedürfnisse der Braut kennt. Erschwerend hinzu kann es kommen, wenn es dem Wali obendrein auch noch unangenehm ist, mit einer „nicht-Mahram“-Frau, also einer Frau, die er theoretisch von rechtswegen ehelichen könnte, kontakt zu haben. Nicht selten berichten Konvertitinnen, dass sie das Gefühl hatten, dass sogar die sachliche Kommunikation dem Wali unangenehm war. Dies hängt mit dem teilweise sehr strengen Geschlechterverhältnis und den damit verbundenen Normen der Ursprungsländer dieser Walis zusammen. Es stellt sich also ganz klar die Frage, wie ein Wali die Interessen einer Braut vertreten soll, wenn die Braut nich einmal eine offene und ehrliche Diskussion oder eine Unterhaltung mit ihm haben kann, in welcher sie ihn über ihre Vorstellungen, Bedürfnisse und Erwartungen sprechen kann. Wie soll dieser Wali einen guten, kompatiblen Ehepartner für diese Frau auswählen? Diese Art von Beziehung zwischen Wali und Konvertitinnen  führte schon oft zu Ehen, die zu leichtfertig geschlossen wurden und dann vor Problemen stehen, die man hätte leicht vermeiden können, wenn der Wali weise gehandelt hätte. Manchmal ist es heute so, dass der Wali nicht einmal ein einziges Gespräch mit der Braut und dem Bräutigam führt und nur als Formaler erfüller der Nikah-Bedingungen dient. Und tatsächlich gibt es ein paar kompetente und verständige Imame, die als Wali theoretisch einen guten Job machen könnten, jedoch sind diese oftmals derart überbelastet mit anderen Aufgaben und Verantwortungen, sodass sie sich der Aufgabe des Walis einfach nicht ausreichend zuwenden können.

Lösung:

Obwohl dies vielleicht noch mit den örtlichen Gelehrten besprochen werden müsste, wäre es unter Umständen vorteilhaft, wenn eine Konvertitin sich ihren Wali aussuchen könnte, sofern mehrere in Frage kommen. Denn dann könnte sie sich denjenigen aussuchen, welcher bestenfalls im selben Land und der gleichen  Kultur wie sie aufgewachsen ist, ausreichend Zeit investieren kann und offen ist für die notwendige Kommunikation mit der Konvertitin, damit er sich Verantwortungsvoll um seine Aufgabe als Wali widmen kann. Eine sehr gute Lösung wäre es z.B. auch, wenn dieser Wali eine Ehefrau hätte, mit der die Konvertitin offen über alles sprechen könnte und die Ehefrau des Walis würde somit zusätzlich als Vermittlerin zwischen Wali und Konvertitin dienen.

Dennoch ist es sehr wichtig, dass der Wali ein respektiertes Mitglied der Gemeinde ist, mit guter Reputation und gutem Charakter.  Obwohl die klassischen islamischen Rechtswerke (arab. Fiqh) beschreiben, dass die Aufgabe des Walis an den Richter (arab. Qadi) oder Imam geht in einem islamischen Staat, wenn kein männliches Familienmitglied vorhanden ist für diese Aufgabe, scheint die Zielsetzung der Scharia darauf abzuzielen, dass die Interessen der Frau möglichst gut vertreten werden und dies kann nur realisiert werden, indem dies durch die fähigste Person geschieht. Ohnehin leben wir nicht in einem solchen islamischen Staat und die ansässigen Gelehrten müssen passende Lösungen für unsere Lebenswirklichkeit finden. Wenn eine Konvertitin der Meinung ist, dass ihre Interessen doch nicht optimal durch ihren Wali vertreten werden, aus welchen Gründen auch immer, sollte es möglich sein, diesen, durch einen anderen zu ersetzen, ohne, dass dies ihrem Ruf schadet. Gemeinden täten gut daran, wenn sie gleich eine Liste mit freiwilligen, fähigen Männern bieten könnten, die diese Aufgabe übernehmen würden, insbesondere dann, wenn der Imam der Moschee nicht die kulturellen oder sprachlichen Kompetenzen besitzt oder auch unter Zeitmangel leidet , um diese Aufgabe gewissenhaft übernehmen zu können.

2. Falle: Du bist noch nicht lange genug Muslima

Lasst uns das Kind beim Namen nennen: Die meisten Konvertiten haben bereits etwas sexuelle Erfahrung gesammelt vor ihrer Konversion und einige verlassen vielleicht sogar beim Eintritt in den Islam eine Beziehung zu einem anderen Menschen. Aus diesem Grund fühlen viele der Konvertiten ein großes Bedürfniss ihre körperlichen Bedürfnisse in einer Ehe zu befriedigen. Neben ihrem eigenen Drang, werden diese oft zusätzlich von der muslimischen Gemeinde regelrecht bedrängt möglichst ohne Verzug zu heiraten, damit sich diese im Islam festigt und geschützt ist vor unehelichem Geschlechtsverkehr (arab. Zina). Denn es hherrscht der Gedanke bei vielen Muslimen, dass nur ein guter Ehemann nötig sei, um diese neue Muslima zu festigen. Zwar ist dies ein nobler Gedanke, jedoch kann es manchmal nach hinten losgehen.
Interkulturelle Ehen und ihre Besonderheiten folgen als nächstes. Zunächst ist es allerdings wichtig, dass eine neue Muslima sich selbst findet, die Religion lernt und sich festigt, bevor sie einen Partner fürs Leben aussucht. Auch wenn wir das gerne leugnen, gibt es da draußen verschiedene Verständnisse des Islams und verschiedene Individuen verstehen den Islam manchmal ganz anders und bevor man heiratet, sollte man sich zunächst klar machen, wie man selbst die Religion versteht. So mag der eine Konvertit eher einer sufistischen Gruppe zugeneigt sein und ein anderer wiederum eher mit der Salafi-Bewegung sympathisieren. Verschiedene Menschen können verschiedene Verständnisse haben. Natürlich können wir jetzt über die pros und kontras all dieser Gruppen diskutieren, jedoch muss am Ende des Tages jeder von uns, insbesondere Konvertiten, die ja von Haus aus keiner speziellen Gruppe oder islamischen Denkrichtung anhängen, sich bilden und lesen und dem folgen, was er/sie für wahr erkannt haben möchte.
Manchmal lernt ein Konvertit ein spezielles Verständnis des Islams kennen und glaubt das sei „der Islam“, nur, um dann nach einiger Zeit in einer anderen Stadt auf eine andere Interpretation des Islams zu stoßen und zu erkennen, dass wir die Muslime doch nicht so homogen sind wie vorher angenommen und es eine große Vielfalt an Verständnissen und Interpretationen gibt. Die Frage nach der Korrektheit dieser soll hier nicht besprochen werden, sondern nur auf eine Realität hingewiesen werden. Und es ist durchaus möglich, dass ein Kovertit sich anfangs mit einem Verständnis des Islams beschäftigt und nach einer Weile einen anderen Prediger oder Gelehrten entdeckt und sich für sein Verständnis, welches sich teilweise stark vom ersten Verständnis unterscheiden kann, ändert.  Dies soll nicht bedeuten, dass ein Konvertit alle möglichen Sekten und Gruppen ausprobieren soll, sondern  dies soll lediglich darauf aufmerksam machen, dass viele Konvertiten im Laufe der Zeit realisieren, dass sie vielleicht durch eine bestimmte Moschee den Islam auf eine bestimmte Weise kennengelernt haben und später durch weiteres Studium erkennen, dass vieles was sie für islamisch hielten eher aus dem kulturellen Hintergrund ihrer Moschee entsprang oder gar dem Islam widerspricht. Dein Verständnis des Islams, gerade am Anfang, entwickelt sich noch und du solltest Dir diese Zeit nehmen, bevor Du Deinen Ehepartner wählst.
Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist, dass viele Konvertiten sich noch mitten in schmerzvollen Auseinandersetzungen mit ihren Familien befinden, die oftmals große Probleme mit dem Übertritt ihres Kindes zum Islam haben. Die neuen Muslime fühlen sich oft einsam, verlassen und verstoßen. Oberflächlich betrachtet könnte man annehmen, dass es das Beste wäre schnell in eine muslimische Familie einzuheiraten, um so einen quasi Ersatz für die eigene Familie , von der man verstoßen wurde, zu haben. Doch birgt dies auch eine große Gefahr: Zum Einen stehen junge Ehen oft am Anfang vor großen Schwierigkeiten und um diese zu bewältigen sollte man sich nicht unbedingt in einer emotional geschwächten Situation befinden, in der sich oft diese neuen Muslime aufgrund der Konflikte mit ihrer leiblichen Familie, befinden. Außerdem könnte es sein, dass sich diese neuen Muslime in der Hoffnung auf Trost übereilt in eine Ehe stürzen, nur um später festzustellen, dass der Ehepartner garnicht zu ihnen passt und sie zu voreilig entschieden haben. Diese Gefahr darf nicht unterschätzt werden.
Letztlich konvertieren viele Frauen aufgrund ihrer Partnerschaft zu einem muslimischen Mann, welcher zumindest nach deutschem Maßstab sehr religiös wirkt, jedoch merken viele Konvertitinnen, wenn sie sich näher mit dem Islam beschäftigen und selber religiöser werden, dass ihr vermeintlich religiöser Partner ein sehr unislamisches Leben führt und kaum die Religion praktiziert. Oft verlassen diese dann den Partner, um einen den Islam richtig praktizierenden Partner zu finden.

Lösung:

Konzentriere Dich zunächst auf Dich selbst. Versuche Deine familiären Probleme einigermaßen in den Griff zu kriegen und versuche ein paar gute Freunde zu finden, die für Dich da sind. Anstatt nur zu lesen oder Dir Vorträge im Internet anzuhören,  solltest Du rausgehen und Dich mit Schwestern real treffen und mit ihnen Unterrichte oder islamische Seminare besuchen. Verschiedene religiöse Lehrer und Freunde kennenzulernen öffnet den Konvertiten oft die Augen und zeigt denen oft wie vielfältig die islamische Community ist. Finde eine Schulter zum ausheulen und anlehnen, eine Gruppe von Schwestern, die für Dich da sind und für die Du da bist. Es kann sehr schwer sein mit den unbefriedigten sexuellen Bedürfnissen umzugehen, aber versuche mit der euphorischen Iman-Phase, die man als neuer Muslim hat und mit ein paar dich ablenkenden Freundinnen, diese Zeit zu überbrücken, bis Du gefestigt bist. Besuche regelmäßig ein paar islamsiche Unterrichte in der Moschee. Wenn Du mal jemanden findest, der Dich interessiert, dann behalte ihn vorerst im Hinterkopf und kümmere dich um Dich selbst.

3. Falle: Das Unterschätzen der Herausforderungen einer interkulturellen Ehe

Du praktizierst nun also den islam und hast auch ein gewisses Basiswissen darüber und nun bist Du bereit für die Ehe. Und du interessierst Dich auch für einen gewissen Mann – wahrscheinlich einer dieser großen, hübschen Brüder mit dunklem Teint. Viele Schwestern stürzen sich in eine Interkulturelle Ehe ohne auch nur eine Idee darüber zu haben, was ihr zukünftiger Ehemann von seiner Ehefrau erwartet. Diese Schwestern nehmen unterbewusst einfach an, dass Ihr Ehemann eine Reflektion des edlen Charakters und Verhaltens unseres geliebten Propheten (saw) haben wird. Das Ergebnis davon ist, dass nicht selten Schwestern von Islam abfallen, nachdem sie schreckliche Erfahrungen in einer unglücklichen Ehe gemacht haben mit Respektlosigkeit, extreme Kontrolle und sogar Misshandlung. Denn genau die Person von der sie erwarteten, dass diese ihnen Sicherheit und ein warmes Hein bietet, sie von ihrem unislamischen Elternhaus in ein muslimisches Heim führt, verwandelt nicht selten ihr Leben in eine Hölle auf Erden aufgrund seiner eigenen kulturellen Engstirnigkeit.
Manchmal sind zwei Eheleute auch derart inkompatibel, dass ihre Ehe ein ewiger Wechsel von Konflikten und Vorwürfen ist; Dabei ist keiner der beiden Schuld an der Misere, denn sie sind einfach zu verschieden, um miteinander harmonisch zu leben. Sogar zu Zeiten unseres geliebten Propheten (saw) gab es kulturelle Unterschiede zwischen den Leuten aus Madina and Mekka, welche zu ehelischen Auseinandersetzungen führten. Das waren Unterschiede zwischen lediglich zwei verschiedene Städten innerhalb Arabiens.  Stell Dir nun zwei Menschen vor, die von ganz verschiedenen Kontinenten kommen, deren Lifestyle und Kutlur sich sehr viel weiter unterscheiden können.
Eine interkulturelle Ehe steht in jedem Fall vor gewissen Herausforderungen, sogar wenn die Ehepartner sich gegenseitig respektieren, lieben und viel gemein haben. Zum Einen sind da natürlich die Familienangehörigen mit denen man auskommen muss. Auf der anderen Seite gibt es auch das Phänomen, dass von den Konvertinnenen und manchmal auch von ihren Ehemännern und deren Familienangehörigen erwartet wird, dass sie ihre gesamte böse, westliche Kultur und Identität aufgeben und komplett die Kultur des Ehemannes adaptiert. Die Wahrheit ist, dass jede nationale Kultur ihre guten und schlechten Seiten haben und egal wie religiös eine Person auch sein mag, kann sich diese nicht gänzlich dem Einfluss des Ortes und der Kultur, in der er sozialisiert wurde, entziehen. Diese beeinflusst dann auch maßgeblich seine Vorstellung von Ehe und Beziehung. Nur weil ein Land mehrheitlich muslimisch bevölkert ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass alle Aspekte der Kultur islamisch sind und andersherum ebenfalls. Nur weil ein Land mehrheitlich nicht-muslmisch bevölkert ist, bedeutet dies nicht, dass alle Aspekte der Kultur unislamisch und schlecht sind. Sogar der Prophet (saw) lobte gewisse Aspekte der römischen und vorislamischen Kultur der Araber.
In einer schlechten interkulturellen Ehe finden sich Konvertiten nicht selten in der Situation wieder, dass sie gezwungen werden ihre eigene Identität gänzlich aufzugeben und eine fremde anzunehmen. Manchmal versucht der Ehemann seine Frau von ihrer Familie zu entfremden. Einige Männer geben sich wenig Mühe Kontakt mit der Familie der Frau zu pflegen, sprechen schlecht über ihre Familie und rechtfertigen dies damit für sich, dass dies ja Ungläubige seien. Er könnte versuchen sie in eine gute arabische/türkische/kurdische/afrikanische/afghanische Frau umzuwandeln und missachtet dabei, dass seine Forderungen und Erwartungen mehr kulturell als islamisch sind. Viele Frauen werden depressiv, wenn sie dieses fremde Leben führen in ständiger Opferung ihrer Persönlichkeit und Identität.
Zusätzlich ist es wichtig zu erwähnen, dass viele Konvertitinnen unter dem Stigma der „Unreinheit“ leiden, welches sie glauben zu haben, durch ihre vorehelichen Beziehungen vor ihrer Konversion zum islam. Viele Schwestern fühlen sich deswegen schlecht und unzulänglich als Muslima aufgrund ihrer Vergangenheit. Dies ist natürlich ein komplett unislamsiches Konzept und falsch, aber nichtsdestotrotz existiert dieses Denken. Eine konvertierte Frau könnte, wenn sie für ihr exotisches, westliches Aussehen geheiratet wurde und der Mann sich an sie gewöhnt hat und der Reiz ihrer Schönheit aus seiner Sicht abnimmt, vor dem Problem stehen, dass dieser Mann, genau dieses Sentiment nutzt, um seine Frau Vorhaltungen zu machen und ihre Unsicherheit ausnutzen, um irgendwelche Forderungen durchzusetzen.

Lösung:

Denke gut darüber nach, ob Du jemanden heiraten willst, der nicht im selben Land und der selben Kultur aufgewachsen ist wie du. Die Herkunft der Eltern und die Nationalität spielt nicht so eine große Rolle. Viel mehr geht es darum in welchem Land jemand sozialisiert wurde. Sei Dir darüber im Klaren, wie deutsch/europäisch du bist. Du wirst warscheinlich merken, dass Du doch deutscher bist als du angenommen hast, bevor Du in Berührung kamst mit der islamischen Gemeinde und ihren vielen verschiedenen ethnischen Gruppen und Kulturen. Und das ist vollkommen in Ordnung.  Verstehe, dass alle Muslime – ob konvertiert oder in eine muslmische Kultur geboren – zu einem gewissen Anteil auch Menschen ihrer nationalen Kultur sind. Der Beste unter ihnen ist derjenige, der die halal-Aspekte übernommen hat und die unislamischen Askpekte der Kultur abgelegt hat. Du wirst aber nie einen „nur-Muslim“ treffen, denn so etwas gibt es nicht.
Da in vielen Kulturen so viel Wert auf die Jungfräulichkeit gelegt wird,  sollte eine konvertierte Frau niemals einen Mann heiraten, der ihr das Gefühl gibt, er opfere für sie seinen Anspruch auf Jungfräulichkeit und sie sei ihm deswegen etwas schuldig oder zumindest zum Dank verpflichtet, als sei es ein Gefallen, den er ihr damit tut. Ebenfalls sollten alle Alarmglocken angehen, wenn der Anwärter ein wenig zu viel von ihrem „schönen deutschem/europäischen Aussehen“ faselt. Weiterhin ist ein es ein Warnzeichen, wenn ein Mann zu sensibel ist, wenn es um die Vergangenheit einer konvertierten Schwester geht. Hiermit soll nicht gesagt werden, dass man über die gesammelten Erfahrungen in anderen Beziehungen frei sprechen sollte, denn das würde jedem Mann verunsichern und ein schlechtes Gefühl vermittteln. Es geht viel mehr darum, dass wenn ein Mann insgesamt unnatürlich reagiert, wenn es mal zur Sprache kommt und er z.b. extrem grübelt oder zu sehr nachhakt, es den Anschein macht, dass er damit ein sehr großes Problem hat und dies sollte jede Schwester als mögliches Konfliktpotenzial  erkennen. Nichtsdestotrotz können inerkulturelle Ehen erfogreich und sehr bereichernd sein, aber es benötigt Arbeit. Als Frau in einer Ehe bist Du verletzbar, da die Authorität in einer Ehe auf der Seite des Mannes liegt. Du befindest dich in einer Position, wo ein schlechter Mann dies ausnutzen und Dich  mit Schuldgefühlen und durch den Missbrauch seiner Authorität in eine sehr unangenehme Lebenssituation bringen könnte.  Deswegen wende dich sofort von Anwärtern ab, die Zeichen von Abscheu gegenüber Deiner Herkunft und Kultur zeigen oder dir das Gefühl geben, dass sie dich verändern wollen. Heirate einen Mann, der dich verstehen will und der seine Authorität als Verantwortung sieht und nicht als Auszeichnung. Heirate keinen Mann, der wegen deiner Herkunft Minderwertigkeitskomplexe hat oder der den Anschein macht zu sehr dein europäisches/deutsches Aussehen zu mögen und sich damit brüstet. Heirate keinen Mann, der deine Familie nicht respektiert und versucht dich von ihnen wegzuziehen, denn dieses Problem wird sich verzehnfachen, wenn ihr erstmal Kinder habt. tatsächlich solltest Du jemanden heiraten, der dir dabei hilft deine familiären Konflikte zu lösen oder dir zumindest dabei hilft den Kontakt nicht ganz zu verlieren. Letztlich solltest du auf der Hut sein vor Muttersöhnchen, denn es besteht die Chance, dass die Mutter noch viel tiefer in ihren kulturellen Vorstellungen feststeckt und dann Dich über ihren Sohn in kulturelle, einengende Ketten legt.

4. Falle: Er ist ein echter Ehebetrüger/Playboy der möchte, dass Du seine geheime Zweitfrau bist

Ein weiteres gewichtiges Argument sich einen guten Wali zu suchen, ist, dass dieser gleich die Ehebetrüger, Playboys und Aufenthaltsgenehmigungen-Jäger abweisen kann, welche nicht wirklich an einer ernsthaften Ehe interessiert sind sondern sich nur ein paar Vorteile verschaffen möchten.  Die zwei Hauptgründe, wieso viele Männer eine Konvertitin Heiraten mit dem Hintergedanken diese wieder zu verlassen, sind die folgenden zwei: 1. Sie heiraten eine Konvertitin mit entsprechender Staatsangehörigkeit, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. 2. Sie suchen eine gutgläubige Konvertitin mit der sie sich wärend ihres vorübergehenden Aufenthalts, z.B. für ein Studium, Schule oder Arbeit, ihre Zeit versüssen können. Dieser wird sie kurzer Hand verlassen, sobald sein Aufenthalt hier vorrüber ist und er in seine Heimat zurückkehrt, um ein „anständiges Mädchen“ von dort zu heiraten oder sobald er eine Aufenthaltsgenehmigung erhält und er dann eine Frau aus seiner Heimat importieren kann.  Solche Männer werden die tollsten Versprechungen machen wie z.B. dass er Dich unbedingt seinen Eltern in der Heimat vorstellen möchte und manch einer würde vielleicht sogar Kinder mit Dir zeugen, um Dir die Ernsthaftigkeit der Ehe vorzutäuschen, nur um dich dann dennoch einfach in einer Nacht und Nebel Aktion zu verlassen sobald er sein Ziel erreicht hat oder seine Familie in der Heimat entsprechenden Druck ausübt „das europäische Flittchen und ihr Kind“ endlich zu verlassen, um ein von Mama ausgesuchtes Mädchen aus der Nachbarschaft zu heiraten. Solche Männer vergessen dann ganz schnell Frau und Kind ohne auch nur eine Sekunde lang zurückzublicken.
Dann gibt es noch den Typen, der bereits verheiratet ist, aber dich als Zweitfrau nehmen möchte. Dies ist per se zwar nichts verwerfliches, jedoch möchte dieser Dich als geheime Zweitfrau nehmen, ohne, dass seine Erstfrau auch nur etwas von seinen Absichten ahnen dürfte.  Er ist sofort bereit die Nikah mit Dir zu vollziehen und eine Beziehung mit Dir zu führen, ist aber nicht bereit sich aufzuraffen und sich mit den Auswirkungen auf seine derzeitige Familie, die diese Zweitehe unausweichlich mit sich bringen wird, auseinanderzusetzen.  Wenn Du ihn danach befragst, wird er Dir ständig versprechen, dass er es seiner Frau „zum richtigen Zeitpunkt“ , d.h. später, sagen wird. Er lässt Dich in Deiner Stadt oder Deinem Land, geht selber zurück in die Stadt seiner Erstfamilie und verspricht Dich sobald wie möglich zu sich zu holen – später.  Er wird seinen Geschwistern und Eltern von Dir erzählen – später.  Er kommt, um Dich und das zu erwartende Baby zu sehen – später.  Er war sehr schnell, wenn es darum ging Dich zu heiraten, aber nun macht er sich rar und läuft ständig weg und weicht aus.  Wenn er dann doch letztlich die Bombe platzen lässt und allen von Dir erzählt wird Deine ursprünglich romantische, suesse, geheime Ehe plötzlich ziemlich bitter, ausgelöst durch den öffentlichen Druck und die negativen Emotionen zwischen Dir, ihm und seiner Erstfrau. Entweder kommt er mit der Situation nicht klar und lässt sich von Dir scheiden oder er behält Dich, wird aber zusehends immer gestresster und bereut die Ehe mit Dir jemals eingegangen zu sein. Es könnte auch sein, dass er Dich einfach geheim weiterhält und sich von dir sowohl körperlich als auch Emotional distanziert. Du wirst in so einer Situation viele Deiner Rechte als Ehefrau verlieren. Ausserdem bedenke, dass es ihm doppelt so leicht fallen würde sich von Dir scheiden zu lassen, wenn niemand von eurer Ehe wüsste.

Lösung:

Ehebetrüger und Playboys können oft entlarvt werden, indem man sie auffordert ihren Eltern vorgestellt zu werden. Fordere sie also stets gerade heraus auf, dass Du die Eltern des Anwärters kennenlernen möchtest. Wenn er dies ablehnt oder fadenscheinige Ausreden bringt, dann solltest Du Dich nicht weiter auf ihn einlassen. Im Zweifel erkläre, dass Du auch bereit bist in seine Heimat mit ihm zu fahren und dass es eine Bedingung für Dich ist die Familie kennenzulernen, bevor Du die Ehe konsumierst (d.h. den ehelichen Geschlechtsakt vollziehst). Stelle dies vor der Eheschließung zweifelsfrei klar, sodass er seine Ernsthaftigkeit unter Beweis stellt, indem er Dir die Familie vorstellt, bevor er die Früchte der Ehe geniessen darf.  Frage ihn nach seinem Aufenthalts-Status und was seine Pläne in dieser Hinsicht sind. Frage ihn wo er in Zukunft leben möchte und wie er ggf. plant für deinen Aufenthalt dort zu sorgen. Es ist ratsam, dass ihr mit dem Kinder kriegen wartet, bis ihr beide eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für euren Wohnort (Land) habt. Lehne in jedem Fall eine geheime Ehe ab – egal ob als Erst- oder Zweitfrau.
Wenn Du einen bereits verheirateten Mann heiraten möchtest und seine Zweitfrau werden willst, dann bitte ihn darum seine Erstfrau treffen zu dürfen und stelle sicher, dass sie bescheid weiss – oder besser noch – mit der Mehrehe einverstanden ist. Einige Menschen denken, dass eine Erstfrau nie mit einer Mehrehe einverstanden sein könnte, aber das kann sie durchaus sein. Und jeder Mann, der seiner Erstfrau die Neuigkeit über seine zweite Ehe erst am Tage der Eheschliessung mit der Zweitfrau mitteilt, ist warscheinlich ein Mann der es gewohnt ist, viele Geheimnisse zu haben. Außerdem möchtest Du ja auch nicht am Ende geschieden werden, weil seine Erstfrau es doch nicht so gut verarbeitet wie er es sich ausgemalt hatte. Denn, wer weiss. wie gut oder schlecht die Idee der Mehrehe von ihm durchdacht wurde. Deswegen solltest Du Dir am Besten selbst ein Bild davon machen und unbedingt einmal mit seiner Erstfrau darüber sprechen. Natürlich mag dieser Rat nun einige verwundern, aber es gibt durchaus Frauen, die mit einer Mehrehe nicht nur einverstanden sind sondern ihre Männer sogar in ihrer Absicht unterstützen. Außerdem ist er ein Mann der Integrität, wenn er so offen und direkt über seine Absichten mit seiner Frau spricht. Der Respekt, den er durch seine Ehrlichkeit, seiner Erstfrau zeigt, ist letzlich der Respekt, den er Dir als Ehefrau zeigen wird. Und wenn seine Erstfrau für den Rest eures Lebens verbittert sein würde, würden diese Emotionen auotmatisch auch Dich, Deinen Ehemann und eure Beziehung negativ beeinflussen; Der dadurch zu erwartende Stress in der einen Ehe löst sich ja dann nicht einfach in nichts auf, sobald er dann bei Dir ist. Viel mehr wird er seine Probleme mit seiner Erstfrau und den ganzen Stress immer stets mit zu Dir bringen. Wenn er sprachlos oder ablehnend reagiert, wenn Du ihn mit dem Wunsch seine Erstfrau zu sprechen konfrontierst, dann sollten bei Dir die Alarmglocken läuten.  Wenn er Dir sagt, dass er ihr davon erzählte, dann bitte Ihn um Kontaktdaten, damit Du sie kennenlernen kannst oder Du zumindest von ihr persönlich bestätigen lassen kannst, dass sie bescheid weiss. Und selbstverständlich solltest Du nicht vergessen ihr eine Einladung für die Hochzeit zukommen zulassen.

Gutes gelingen, liebe Schwester!